Mittwoch, 28. Januar 2026

Warum die Wärmepumpe auch eine Waffe gegen den Faschismus ist

  Kai Schächtele  LinkedIn

Im Moment verhandeln Spitzen der Bundesregierung über eine Reform des sogenannten Heizungsgesetzes.

Der Vorgang ist eine Spätfolge einer absurden Debatte vor drei Jahren. 

Was während der Ampelkoalition als Heizhammer durch Clickbait-Maschinen gejagt wurde, war in Wirklichkeit der Versuch, uns Deutschen eine Technologie schmackhaft zu machen, die in Skandinavien, Neuseeland oder Kanada seit langem erfolgreich Häuser und Wohnungen wärmt.

Dass sich die Wärmepumpe hierzulande so schwer tut, liegt an vielen Faktoren. Auch das Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck hat unglücklich agiert.
Ihr schlechtes Image liegt jedoch maßgeblich an einer Propaganda, die wider besseres Wissen eine geniale Technologie zu einem Symbol von Planwirtschaft und Enteignung heißgeschrieben hat. 

Diese Propaganda hält bis heute an. Das nutzt kurzfristig politischen Landgewinnen. Und sorgt langfristig für Schäden an der Demokratie, dem sozialen Frieden und dem Geldbeutel von Menschen, die in dem ständigen Schlagzeilengewitter nicht mehr wissen, was sie noch glauben sollen.

Warum für mich die Wärmepumpe deshalb auch ein Instrument im Kampf gegen den Faschismus ist, habe ich in einem Text beschrieben. 


Link: hier  Kai Schächtele, Jan. 27, 2026

Warum die Wärmepumpe für mich auch eine Waffe gegen den Faschismus ist

Gegen die aktuelle Überforderung mit der Lage der Welt hilft vor allem eins: konkrete Lösungen für akute Probleme

Wenn ich morgens das Radio anschalte, denke ich manchmal, ich liege mitten auf einer vielbefahrenen Kreuzung. In fast jeder Nachricht steckt Radau. In meinem Kopf: Geschrei und Gehupe. Und ich habe das Gefühl: Wenn ich jetzt zur falschen Seite aufstehe, überrollt mich ein Lastwagen.

Jüngstes Beispiel: der Mord an einem Demonstranten durch eine vermummte ICE-Einheit. Anschließend spricht die Heimatministerin Kristi Noem von Notwehr. Donald Trump wirft dem Bürgermeister von Minneapolis vor, einen Aufstand angezettelt zu haben. Und in Deutschland kehrt die bayerische AfD-Fraktion von ihrer Klausurtagung zurück mit einer Idee. Sie will eine Abschiebe-Polizei mit dem Namen „Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe” einführen. Kurz: AFA.

Vermutlich ist man in der AfD stolz darauf, für ihre Version eines Trumpschen Überwachungs- und Verfolgungsstaats ein Kürzel gefunden zu haben, bei dem man auf den ersten Blick erkennt, auf wen es zurückgeht. AfD, AFA, tatütata.

Gerade jetzt ist es entscheidend, jeden Tag an Veränderungen mitzuwirken. Ganz konkret und mit entschiedenem Pragmatismus.

In meinem Umfeld höre ich im Moment oft: Welchen Sinn hat es, sich für Veränderungen einzusetzen, wenn sich der Faschismus immer weiter ausbreitet? Wenn Menschen wie der amerikanische Präsident oder die bayerische AfD-Fraktionsvorsitzende ein Welt- und Menschenbild zum Maßstab erklären, das von der eigenen Überlegenheit ausgeht, und sie nichts und niemand stoppen zu können scheint? Was bringt es, sich für eine enkelfähige Zukunft einzusetzen, wenn uns gleichzeitig die Gegenwart durch die Finger rinnt?

Meine Antwort ist immer dieselbe: Gerade jetzt ist es entscheidend, auf Spur zu bleiben und weiter jeden Tag an Veränderungen mitzuwirken. Ganz konkret und mit entschiedenem Pragmatismus.

Die Niedertracht hat gesiegt, wenn diejenigen den Mut verlieren, für die Menschenwürde, Gerechtigkeit oder Gemeinsinn unverhandelbare Werte sind. Doch um mehr Menschen einzuladen, sich diesem Mut anzuschließen, helfen keine moralischen Appelle. Viele sind überfordert oder abgestoßen, wenn sie sich auf etwas einlassen sollen, was ihnen zu abstrakt, zu weit weg oder zu abgehoben vorkommt. Woran sie interessiert sind: konkrete Lösungen für akute Probleme. Ein gutes Beispiel dafür ist die Wärmepumpe.

Menschen brauchen Autonomie. Wenn ihnen die Freiheit, sich selbst entscheiden zu können, genommen wird, rebellieren sie – und sei das Neue noch so viel sinnvoller.

Dabei könnte ihr Image im Moment kaum schlechter sein. Als das Bundeswirtschaftsministerium vor drei Jahren versuchte, die Wärmeversorgung so zu modernisieren, dass Mieterinnen und Hausbesitzer möglichst schnell von fossilen Energien wegkommen, stand sie bald im Mittelpunkt der Debatte. Als plane Robert Habeck persönlich, mit einer eigenen Spezialeinheit Öl- und Gasheizungen aus deutschen Kellern zu reißen und durch Wärmepumpen zu ersetzen. Eine Art GSG9 – die Gasheizungs-Scharmützel-Gruppe.

Was Habeck und sein Stab nicht genügend mitbedacht hatten, war, wie sensibel Menschen reagieren, wenn sie das Gefühl haben, sie würden bevormundet. Menschen brauchen Autonomie. Sie wollen selbst aus freien Stücken entscheiden. Wenn ihnen diese Freiheit genommen wird, rebellieren sie – und sei das Neue auch noch so viel sinnvoller als das Alte, von dem sie sich trennen.

Die Wärmepumpe ist eine Technologie, die seit Jahrzehnten erprobt ist. Ich habe das selbst erst verstanden, als mir ein Heizungsbauer erklärt hat, was er an ihr genial findet. „Genial“ – das war seine Bezeichnung. Wärmepumpen nehmen Wärme aus Umgebungsluft, Grundwasser, Erdreich oder Abwärme. Mit dem Einsatz von Strom verwandeln sie diese so, dass aus einem Viertel Außenwärme vier Viertel Innenwärme werden.


Dass sich die Wärmepumpe so schwer getan hat,
lag am niedrigen Gaspreis.
Und daran, dass uns Deutschen oft die Vorstellungskraft fehlt, wenn wir uns auf technische Innovationen einlassen sollen.


In Skandinavien, Neuseeland oder Kanada ist die Wärmepumpe seit langen das dominierende Heizsystem. Dass sie sich in Deutschland bislang so schwer getan hat, liegt zum einen daran, dass Gasheizungen wegen des niedrigen Gaspreises in der Vergangenheit deutlich günstiger zu betreiben waren. Und dass uns Deutschen oft die Vorstellungskraft fehlt, wenn wir uns auf technische Innovationen einlassen sollen. Damit es warm wird, muss etwas brennen. Das ist das Bild, mit dem wir groß geworden sind.

Zumindest ein Faktor ändert sich gerade: Strom- und Gaspreis gleichen sich immer weiter an. So wird der Betrieb von Wärmepumpen immer lukrativer. Und das zu langfristig planbaren Kosten. Der Strompreis wird vergleichsweise stabil bleiben – anders als die Kosten für fossile Energien, die durch Co2-Abgabe und Netzentgelte immer weiter steigen werden. Das ist keine Gängelung, sondern das Ergebnis von Marktentwicklungen einerseits und von Vorgaben andererseits, die der Kampf gegen die Erderwärmung notwendig macht. Jedenfalls, wenn uns daran gelegen ist, diese Erde nicht als kaputten Müllhaufen an nachfolgende Generationen weiterzugeben.


Das Geschrei gegen die Wärmepumpe ist vor allem
Propaganda gegen den politischen Gegner.
Mit Schäden für Demokratie, den sozialen Frieden
und den Geldbeutel.


Im vergangenen Jahr wurden so viele Wärmepumpen verkauft wie nie zuvor. Laut Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie rund ein Viertel mehr Wärmepumpen als Gasheizungen. Offensichtlich entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Technologie, die ihnen ganz praktische Vorteile bringt. Eine Wärmepumpe ist mit allen Kosten, die damit verbunden sind, vergleichsweise teuer. Doch zum einen kann man sie sich mit bis zu 70 Prozent fördern lassen. Und zum anderen amortisieren sich die Anschaffungskosten schon nach wenigen Jahren.

Doch nach wie vor tun viele so, als sei die Wärmepumpe ein Symbol von Planwirtschaft und Enteignung. Es heißt etwa, Wärmepumpen seien nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn man parallel dazu das Haus saniert. Und das könne schnell bis zu 200 000 Euro teuer werden. Das ist schlicht und einfach gelogen. Wenn die Wärme durch die Fenster zieht, ist das nicht die Schuld der Wärmepumpe. Eine Wärmepumpe macht das Zuhause genauso behaglich wie eine Gas- oder Ölheizung.

Solches Geschrei ist vor allem eines: Propaganda gegen den politischen Gegner. Mit langfristigen Schäden für Demokratie, den sozialen Frieden und den Geldbeutel. Gerade bei der Wärmewende sieht man, wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammenhängen, wenn es gelingt, die Debatte zu drehen und ein Geschäfts- und Wirtschaftsmodell zu beenden, das in erster Linie jenen nutzt, die mit fossilen Energien viel Geld verdienen.

Deshalb steckt für mich im Einsatz für die Wärmepumpe auch eine Waffe gegen den Faschismus. Faschismus ist eine Politik, die das Recht des Stärkeren, den Egoismus und die Niedertracht zum Status Quo erklärt und alle verächtlich macht, die sich ihr entgegenstellen. Die Wärmepumpe ist ein Symbol dafür, weiter auf die Kraft guter Argumente zu setzen und daran zu glauben, dass es jeden Tag einen guten Grund gibt, aufzustehen und sich mit einem Lächeln im Herzen und Stärke im Handeln den Weltverächtern, Lügnerinnen und Egomanen in den Weg zu stellen – gerade dann, wenn man das Gefühl hat, mitten auf einer Kreuzung aufgewacht zu sein.

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