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Sonntag, 15. März 2026

Herumgeschubst hat freilich niemand irgendwen

 

Nils Dorenbeck

Linguistische Extremismusforschung

In seinem ersten Interview seit der Landtagswahl führt Manuel Hagel vor, wie schnell Beteuerungen zu hohlem anstatt angemessenem Pathos verkümmern 

und das Bild des Charakters (Ethos) eines Redners beschädigen, wenn sie nicht auf der Ebene des Logos substantiiert werden und weder mit den übrigen Rede-Teilen noch mit dem sonstigen Handeln des Redners in Einklang stehen (aptum).


Hagel beteuert, dass er „für einen politischen Stil mit Anstand und Verantwortung“ stehe.
Gefragt nach dem Rehaugen-Video, seiner damaligen „Kommentierung“ und den „öffentlichen Reaktionen“, spricht er dennoch nur von diesen, übernimmt also keine „Verantwortung“.

 Und auf die Frage, ob er angesichts von Forderungen aus seiner Partei, die nur bei einer absoluten Mehrheit der CDU gerechtfertigt wären, „ein Machtwort sprechen“ müsse, antwortet er schlicht: „Nein.“ Denn: „Wir lassen uns nicht herumschubsen.“

Donnerstag, 20. Juni 2024

Ermächtigung zum Flächenfraß durch Normenkontrollantrag eingeleitet

 Bürokratie -Abbau ist  so ein Wort, das jeder Mensch in seinem ganz persönlichen Sinne gebrauchen kann, denn wer regt sich nicht über Bürokratie auf , wer wird bei einem in Aussicht gestellten Abbau nicht sofort hellhörig?

Doch ein Bürokratie- Abbau sieht für die Herren Zwick und Gerster von der CDU wesentlich anders aus als für die Landwirte oder gar die Naturschützer. 

Wir sollten das Ich -Wünsch-Mir-Was-Wort daher als Nebelbank in einer Kommunikation erkennen. Und bei Gebrauch darauf drängen, mehr über das konkrete Anliegen dahinter zu erfahren.
Das hat Hr. Mendelin in seinem Artikel sehr überzeugend getan.
Und wir haben erfahren, was Bürokratie-Abbau für Zwick und Gerster und den Gemeindetag bedeutet: eine Ermächtigung zum Flächenfraß. Alternative Ideen dazu oder Reflektion - leider Fehlanzeige.
Ein trauriges Bekenntnis zum "Weiter so".

Und daher möchte ich noch auf die Resolution des BUND (hier) verweisen:

Die BUND-Gruppen der Region Bodensee-Oberschwaben fordern die Städte und Gemeinden der Region auf, die Netto-Null beim Flächenverbrauch bis 2035 über die Flächennutzungspläne sicherzustellen. Dieses Ziel ist im Koalitionsvertrag Baden-Württemberg festgelegt. Die Pläne müssen neben Bauflächen auch Flächen für die Nachverdichtung, für den Rückbau und die Entsiegelung oder Doppelnutzung ausweisen.


Schwäbische Zeitung  hier  15.06.2024, Ulrich Mendelin

Kampf um den Acker: Darum ziehen zwei Bürgermeister vor Gericht

Grund und Boden ist heiß begehrt: Kommunen sind auf der Suche nach Bauland, Landwirte fürchten zunehmende Konkurrenz um Ackerflächen.

Freitag, 2. Februar 2024

Nach Mini-Aufmarsch: Wie die AfD sich ihre Wahrheit bastelt

Schwäbische Zeitung  hier  27.01.2024   Jens Lindenmüller

siehe dazu auch hier,  Brief an Hr. Härle und an das Landratsamt

Nach Mini-Aufmarsch: Wie die AfD aus einem Rohrkrepierer eine Erfolgsgeschichte basteln will

Dem Aufruf der AfD zum Aufmarsch vor dem Bauunternehmen von Bernhard Straßer, der dem Bodenseekreis einen ehemaligen Supermarkt zur Unterbringung von Geflüchteten vermietet, folgen Anfang Dezember nur wenige Bürger.



Eine Kundgebung, ein Spendenaufruf und eine Anzeige im Salemer Amtsblatt, die gar nicht hätte veröffentlicht werden dürfen. Eine gute gemeinte Aktion wird zum Politikum.

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Der BaWü-Check zeigt: Die Menschen im Südwesten wissen, was die Klimauhr geschlagen hat.

 Südkurier hier Ulrike Bäuerlein

Die Bürger wollen Naturschutz: Das ist ein Auftrag gerade an die Grünen

Die Grünen müssen nun ihre Art hinterfragen, wie sie Politik machen – aber auch andere Parteien müssen etwas erkennen.

Die Botschaft ist eindeutig: Den Baden-Württembergern muss niemand mit erhobenem Zeigefinger erklären, wie wichtig Klima-, Natur- und Umweltschutz sind.

Samstag, 28. Oktober 2023

Auch Gemeinden sind skeptisch - Mögliche Klage: Weiterhin heftige Kritik am Regionalplan

 Schwäbische Zeitung hier  15.9.23    Philipp Richter

Nach der Genehmigung des Regionalplans durch die Landesregierung bleibt der Protest laut. Jetzt könnten juristische Mittel zum Einsatz kommen.

Der Widerstand gegen den vergangene Woche genehmigten Regionalplan für die Region Bodensee–Oberschwaben hält weiter an. Auch Klagen gegen das Werk, das Planungsgrundlage für die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und den Bodenseekreis ist, stehen weiterhin im Raum. Ob es soweit kommt, ist allerdings noch nicht sicher. Zentraler Kritikpunkt im Kreis Ravensburg bleibt der umstrittene Kiesabbau im Altdorfer Wald.

Vor allem die Regionalplan–Initiative machte jüngst in einer Pressemitteilung ihren Unmut laut. Die Initiative vertritt eigenen Angaben nach etwa 40 Gruppen aus den Bereichen Umwelt– und Naturschutz, Fridays–, Parents– und Scientists–For–Future, das Klimacamp Ravensburg, landwirtschaftliche Verbände, die Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB, Verkehrswende–Gruppen und lokale Initiativen.

Kritik: Flächenfraß und Ressourcenverbrauch

Freitag, 27. Oktober 2023

Bisheriger Pressespiegel zum Beschluss des Regionalplans

Der unten stehende Artikel wurde online folgendermaßen betitelt: "Klimacamp gegen Flächenfraß - Radikale Waldbesetzer ziehen nach Kressbronn".

Man fragt sich ob die Zeitung weiß, was sie da anrichtet. In der nahen Kressbronner Schule jedenfalls wurden die Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder von der Schule abzuholen, um Gewalt abzuwenden.

Die Klimaschützer sind zurecht empört: "Stehen wir nicht hier, um die Kinder zu schützen? Das was in der Halle beschlossen wird, das schädigt die Kinder am allermeisten!"

Man fragt sich auch, wozu der Einsatz der völlig überdimensionierten Polizeieinheiten dienen sollte, die eigentlich nur gelangweilt rumstanden. So was nennt sich "Vergeudung von Steuergeld", war man sich im ProtestCamp einig. Vor allem als dann auch noch ein professionelles Räumungsfahrzeug eintraf - sollte das die 5 gefährlichen Pavillons der radikalen Protestler wegräumen? Lächerlich!


Schwäbische Zeitung    Von Alexander Tutschner  23.10.2023

Protest gegen Flächenverbrauch

Beschluss zum Regionalplan steht bevor - Klimacamp und Demonstrationen begleiten die Versammlung

Eigentlich nur eine Formalie ist die endgültige Verabschiedung des Regionalplans am Mittwoch in Kressbronn durch die Verbandsversammlung. Nicht so für die Mitglieder verschiedener Umwelt-Initiativen, die mit einem zweitägigen Protest-Camp und zwei Demonstrationen ihren Unmut über die Planungen des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben kundtun und Haltung zeigen wollen.

„Der Plan ist nicht vereinbar mit unserer Zukunft, weil der Flächenverbrauch viel zu hoch ist“, sagt der Ravensburger Samuel Bosch (20), der das Klimacamp vor der Kressbronner Festhalle zusammen mit anderen Aktivisten organisiert. Zwar verweist Bosch auf die Fraktion der Grünen, die wohl angekündigt hat, gegen den Plan zu stimmen. Man sei aber auch nicht naiv, man werde wohl die Mehrheit in der Versammlung mit dem Protest nicht umstimmen können. Es gehe viel mehr darum, „ganz viel Öffentlichkeit zu schaffen“, wie er sagt, und die Menschen darauf hinzuweisen, was von den Mitgliedern der Versammlung beschlossen wurde. „Ein Klimahöllenplan“ seiner Meinung nach.

Bosch ist bekannt als zentrale Figur der Protestbewegung gegen den im neuen Regionalplan vorgesehenen Kiesabbau im Altdorfer Wald. Seit zweieinhalb Jahren besetzen die Aktivisten ein Stück Wald bei Oberankenreute, 100 Besetzer und 100 Unterstützer gehören der Bewegung laut Bosch an. Dauerhaft seien immer rund 15 von ihnen vor Ort, Sommer wie Winter, Tag und Nacht. Die Aktivisten wohnen in Baumhäusern, gerade haben sie hier einen 800 Kilogramm schweren bemalten Wohnwagen in sieben Metern Höhe zwischen zwei Buchen gezogen und festgeklemmt.

„Wir bleiben hier so lange bis der Altdorfer Wald gerettet ist.“ Am Dienstag und Mittwoch verlassen Bosch und seine Mitstreiter den Wald und protestieren in Kressbronn. Das Klimacamp soll eine Plattform sein für mehrere Aktionen. Direkt vor der Festhalle Kressbronn, wo die Verbandsversammlung am Mittwoch um 13 Uhr tagt, stellen die Aktivisten bereits am Dienstag vier Zelte auf, etwa zehn von ihnen schlafen hier, „um da zu sein, als Zeichen des Protests“, wie Bosch sagt. Er erwartet rund 30 Aktivisten am Mittwoch. Die Mitglieder der Versammlung dürfen sich auf aussagekräftige Banner, ein Pfeifkonzert und Sprüche gefasst machen, wenn sie die Halle betreten und sie verlassen.

Bosch will aber auch den Austausch suchen, Ansprechpartner sein für die Menschen in Kressbronn. Das Klimacamp beginnt am Dienstag um 15 Uhr und endet am Mittwoch um 20 Uhr. Es ist laut Bosch eine angemeldete Versammlung, alle seien willkommen, „die sich gegen den Regionalplan engagieren“.

Zusätzlich findet bereits am Dienstag von 17 bis 18.30 Uhr ein Demonstrationszug durch Kressbronn statt. „Wenn der Regionalplan so umgesetzt wird, bedeutet das, dass unzählige wertvolle Flächen zerstört werden. Das müssen wir verhindern“, sagt dazu die Aktivistin Ulla Köberle-Lang (55) aus Oberankenreute laut einer Pressemitteilung. Sie ist laut Bosch Anwohnerin einer möglichen Kiesgrube und hat die Demonstration am Mittwoch in Kressbronn angemeldet. Eine weitere Demo gegen den Regionalplan hat der Verein Pro-Natur Vogt Waldburg angekündigt für den Zeitraum 10 bis 18 Uhr am Mittwoch. Der Verein ist gegen Torfabbau und setzt sich für Moorschutz ein.

„Wir bereiten uns entsprechend vor“, kündigt Oliver Weißflog, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg, an. Es sei ein größerer Kräfteeinsatz geplant. Störungen der Versammlung könnten nicht ausgeschlossen werden. Die Polizei werde sichtbar sein. „Hier wird ein Grundrecht ausgeübt, das ist absolut legitim“, sagt Kressbronns Bürgermeister Daniel Enzensperger. „Ich appelliere aber an die Versammlungsteilnehmer, sich an die Auflagen zu halten und friedlich zu demonstrieren

Montag, 3. April 2023

Tettnangs grüne Räte kritisieren Regionalplan

 hier in der Schwäbischen Zeitung   Veröffentlicht:29.03.2023

Die Fraktion bezieht sich in ihrer Stellungnahme sowohl auf den zeitlichen Rahmen als auch auf den Umgang mit dem Thema Energie.

Eine Stellungnahme der Grünen–Fraktion im Tettnanger Gemeinderat zum Artikel „Das lange Warten auf den Regionalplan“ hat Albert Dick der Redaktion zugeschickt.

„Das lange Warten auf den Regionalplan“ sei am 15. März zu lesen gewesen, so beginnt die Mitteilung, da dieser seit Oktober 2021 dem Ministerium in Stuttgart vorliegte. „Das Warten auf einen ,zukunftsfähigen’ Regionalplan geht aber schon viel länger, genaugenommen seit 2011, und liegt nicht am Ministerium in Stuttgart“, so ist weiter zu lesen.

Dienstag, 21. Februar 2023

Für das neue Eigenheim ist beim klimaverträglichen Bauen wenig Platz

 Schwäbische Zeitung  hier  Von Claudia Kling

Die Quadratur des Kreises am Bau: Deutschland braucht Wohnraum und soll klimaneutral werden
Das empfehlen Experten

Die Ziele könnten auf den ersten Blick kaum widersprüchlicher sein:
Die Bundesregierung strebt den Bau von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr an, gleichzeitig soll Deutschland bis 2045 klimaneutral werden. Dabei ist der Gebäudesektor ganz vorne mit dabei, wenn es um den prozentualen Anteil der Treibhausgasemissionen geht. 

Wie dieser Konflikt aufgelöst werden könnte? Dazu hat das Umweltbundesamt (UBA) am Montag der Bundespolitik Empfehlungen übergeben. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Was sind mit Blick auf Klima und Umwelt die größten Probleme beim Bauen?

Der große Ressourcenverbrauch - und die gewaltigen CO2-Mengen, die beim Bau, Erhalt und Betrieb von Gebäuden ausgestoßen werden. 30 bis 35 Prozent der Treibhausgasemissionen entstehen im Gebäudesektor. Wenn die globale Zementindustrie ein Land wäre, wäre sie nach China und den USA der drittgrößte CO2-Emittent weltweit. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden 50 Prozent der gesamten Rohstoffe in Deutschland für Baumaterialien benötigt. Auf der anderen Seite gibt es so viel Bauabfälle, dass der Platz auf den Deponien knapp wurde. Auch der Flächenverbrauch ist ein Riesenthema. Bis 2030 sollen täglich noch 30 Hektar in Deutschland verbaut werden dürfen, derzeit sind es 54 Hektar am Tag.

Montag, 30. Januar 2023

Neue Schutzstreifen für Radler im Südwesten - mit Folgen für Autofahrer

 Schwäbische Zeitung  hier  27.01.2023  Kara Ballarin

Einmalig in Deutschland

Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, in dem es die Streifen sogar auf Land- und Bundesstraßen geben soll. Wie breit sie werden und was das für Pkw und Lkw bedeutet.

Sie machen Radler auf der Straße durch ihre gestrichelte Linie sichtbar und bremsen Autofahrer aus: Andere Länder wie die Schweiz und Niederlande haben Radschutzstreifen längst auf Landstraßen, in Deutschland sind sie indes nur auf Straßen in Dörfern und Städten zugelassen. Zumindest sieht das die Straßenverkehrsordnung so vor.

Das Land kann aber Ausnahmen beschließen und solche Radstreifen auch außerhalb von Ortschaften zulassen. Genau das tut das Stuttgarter Verkehrsministerium nun, potenziell in großem Stil – dank eines Tricks.

Abgetrennte Radwege sind laut Experten das Ideal. Auf ihnen lässt es sich sicher über Land von einem Ort zum anderen radeln. Auch Christoph Erdmenger, Leiter der Abteilung Nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium, erklärt in einem Brief an die Regierungspräsidien diese Woche, dass „außerorts – wo immer möglich – Radwege vom Kfz- und Fußverkehr getrennt geführt werden“ sollen.

Das Problem dabei: Radwege sind teuer, es dauert in der Regel sehr lange von der Idee bis zur Umsetzung und mancherorts ist ihr Bau unmöglich – etwa weil Eigentümer ihr Land nicht zur Verfügung stellen wollen, oder weil das Gelände neben der Straße zu bergig ist.

„Nicht überall wird bis 2030 ein straßenbegleitender baulicher Radweg vorhanden sein“, schreibt Erdmenger in dem Brief, der der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt.

Dabei verfolgt sein Chef, Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), schon seit Jahren das Ziel, den Anteil des Radverkehrs im Land bis 2030 auf 20 Prozent hochzuschrauben.

Mittwoch, 4. Januar 2023

Wangen ist eine von rund 360 Städten: Tempo-30-Initiative hat immer mehr Zulauf

Auch in Salem sollten wir darüber nachdenken, ob das unseren Bürgern nicht zugute käme. Insbesondere den Radfahrern, die sich mit ungutem Gefühl in den aufgemalten Radstreifen auf den engen Straßen mit immer wieder parkenden Autos bewegen, wäre damit geholfen.

Schwäbische Zeitung  hier  Jan Peter Steppat  03.01.2023

Die Initiative „Lebenswerte Städte“ für mehr Tempo 30 in Innenstädten bekommt immer mehr Zulauf. Laut „Spiegel Online“ sind ihr bundesweit inzwischen rund 360 Kommunen und Landkreise beigetreten. Das gilt auch für zahlreiche Städte aus der Region, etwa Ravensburg, Leutkirch, Bad Waldsee und Bad Wurzach. Kurz vor dem Jahreswechsel stieß auch Wangen dazu und nach Angaben des Berichts ist es derzeit im Schnitt eine weitere pro Werktag.

Während es anderswo in den Gemeinderäten oft deutliche Mehrheiten für den Beitritt gab, war die Entscheidung in Wangen vergleichsweise strittig. Erst im zweiten Anlauf rang sich das Stadtparlament nach einem GOL-Antrag vom Sommer dazu im Dezember durch. Das lag zum einen am Widerstand der CDU, zum anderen aber an zeitweiliger Skepsis bei den Freien Wählern.

Überzeugt konnte eine knappe Mehrheit der Wangener Stadträte vor allem durch die städtische Argumentationslinie, generell mehr eigene Entscheidungskompetenz bei der Festlegung von Höchstgeschwindigkeiten auf innerörtlichen Bundes- oder Landesstraßen erhalten zu wollen. Derzeit sieht die Straßenverkehrsordnung vor, dass 30 Kilometer pro Stunde nur bei konkreten Gefährdungen oder vor sozialen Einrichtungen wie etwa Kitas und Schulen angeordnet werden könnten.

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Jeder zweite Baum im Wald hat Schäden – Einige Arten sterben wohl aus

 Schwäbische Zeitung hier   19.12.2022, Katja Korf

Fast die Hälfte aller Waldflächen in Baden-Württemberg weist deutliche Schäden auf. Das ist Ergebnis von Untersuchungen der landeseigenen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). Seit Beginn dieser Studien 1985 fiel der Wert nur einmal ebenso schlecht aus – und zwar im Jahr 2020.....

Wie geht es dem Wald?

„Besorgniserregend“, fasste Forstminister Peter Hauk (CDU) die Ergebnisse am Montag zusammen. Noch nie seit Beginn der Erhebungen habe es mit 17 Prozent der Flächen so wenige gesunde Waldstücke im Land gegeben. Bei den Nadelbäumen hat laut Bericht die Kiefer mit einem mittleren Nadelverlust von 33 Prozent gelitten, Fichte, Tanne und Lärche liegen bei rund 25 Prozent. Die Douglasie ist resistenter als andere Bäume gegen Trockenheit und verliert etwas mehr als jede fünfte Nadel (21 Prozent).

Bei den Laubbäumen steht es am besten um den Bergahorn (18 Prozent Blattverlust). Anders die Esche, die vor allem wegen eines Pilzes rund 43 Prozent verliert – und laut Hauk bald im Land ausgestorben sein wird. Beim häufigsten Laubbaum, der Buche, gelten 58 Prozent als deutlich geschädigt, bei den Eichen sind es 71 Prozent.

Wie steht es um den Wald in der Region?

Im Landesschnitt haben die Bäume 28,4 Prozent ihrer Nadeln oder Blätter verloren. Darunter liegt der Kreis Ravensburg mit knapp 23 Prozent, einer der niedrigsten Werte in Baden-Württemberg. ....

Was sind die Ursachen?

Die vergangenen Jahre waren aus Sicht der FVA zu heiß und zu trocken. Seit 2018 war demnach nur 2021 kühl und feucht genug. Danach kamen, so Minister Hauk, „auch heuer wieder verbreitet Hitzerekorde und Dürreperioden.“ Sind Bäume durch Trockenheit geschwächt, haben es Schädlinge wie der Borkenkäfer oder Baumpilze leichter, sich einzunisten.

Die Experten der FVA werten die seit Beginn der 2000er Jahre zunehmenden Baumschäden als Folge der sich deutlich veränderten Wetterbedingungen, also als Folge des Klimawandels. Dazu gesellen sich weitere Faktoren. Der Bericht nennt unter anderem die noch immer spürbaren Folgen des schadstoffhaltigen „sauren“ Regens in den 1970er Jahren sowie die Einträge aus Verkehr und Landwirtschaft....

Was soll dem Wald helfen?

„Die Folgen für den Wald von heute spiegeln die Fehler und Inkonsequenz beim Klimaschutz von vor 20 Jahren wieder“, sagte Hauk. Deshalb gelte es, diesen voranzutreiben. Dem Wald ganz konkret soll ein Umbau helfen – also das Pflanzen anderer Baumarten, die Trockenheit und Hitze besser widerstehen. Dazu gehören zum Beispiel die Esskastanie, Nussbäume und Hainbuchen. Dafür stehen in den kommenden Jahren bis zu 30 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. Privatleute sollen beraten werden, wie sie ihren Wald auf die neuen Klimabedingungen einstellen. Ihnen gehört etwa ein Drittel der Wälder, den Rest teilen sich in etwa Land und Gemeinden.

Welche Kritik wird laut?

... „Die Waldstrategie erhält im Haushalt 2023/24 nur ein Drittel der benötigten Mittel. Dringend benötigte neue Stellen für die Forstverwaltung sind damit nicht zu machen“, so Geschäftsführerin Odile Bour.....

Dienstag, 1. November 2022

Wohnen in der Zukunft: Experten fordern Kehrtwende bei Entwicklung und Stadtgestaltung

 Aulendorf  hier   28.10.2022,Karin Kiesel

Das geplante Baugebiet am nordwestlichen Aulendorfer Ortsrand ist für die Bürgerinitiative „Buchwald – für ein lebenswertes Aulendorf“ (BI) Anlass gewesen, eine vom Land finanziell geförderte Veranstaltung mit drei Experten in der Stadthalle zu organisieren.

Unter dem Titel „Klimagespräch: Wohnen in der Zukunft – Flächenschutz-Bodenschutz-Stadtentwicklung“ ging es dabei nicht nur um das umstrittene Baugebiet, sondern darüber hinaus grundsätzlich um eine Kehrtwende im Umgang mit den Ressourcen und bei der Landschafts- und Stadtgestaltung.

Die Ressource Fläche sowie der Hochwasser- und Klimaschutz nahmen an dem Abend, bei dem neben Fachreden in Gruppen zu einzelnen Themenblöcken diskutiert wurde, eine große Rolle ein. Eine veränderte Siedlungsentwicklung für lebenswerte Räume und mehr Nachhaltigkeit waren ebenso Themen.

Sonntag, 9. Oktober 2022

Vorbild Isny: Weitsicht zahlt sich jetzt aus

  Schwäbische Zeitung hier  09.10.2022,Steffen Lang

Darum trifft Isny die Gaskrise nicht so hart wie andere

Auch die Stadt Isny muss sich an die Verordnungen zur Energieeinsparung halten. Obwohl sie kaum Gas verbraucht, um ihre Büros, Turnhallen oder Schulen zu beheizen. Etwas mehr als 80 Prozent der öffentlichen Gebäude in der Stadt hängen an einem Nahwärmenetz. Nur bei Spitzenlasten wird auf Gas oder Öl zurückgegriffen. In den Ortschaften wird zumeist mit Holz oder Pellets geheizt. Ausnahmen wie Kindergarten und Schule in Neutrauchburg bestätigen die Regel.

Mehr kostet das Heizen trotzdem

„Die hohen Preise auf dem Energiemarkt treffen uns natürlich trotzdem“, sagt Magenreuter, „denn zum Beispiel Pellets sind ja auch um einiges teurer geworden.“ Die Stadtkasse wird aber bei weitem nicht so stark strapaziert wie in Städten und Gemeinden, die nahezu komplett am Gas oder Öl hängen. „Es trifft uns nicht so hart wie andere“, weiß der Isnyer Bürgermeister

Das dürfen auch viele Privathaushalte und Gewerbebetriebe von sich behaupten, die sich im Laufe der vergangenen Jahre an eines der Isnyer Nahwärmenetze angeschlossen haben.

Mittwoch, 28. September 2022

Die Genehmigung für den umstrittenen Regionalplan zieht sich hin

 Schwäbische Zeitung hier  Von Philipp Richter

Die Region Bodensee-Oberschwaben muss sich noch gedulden, bis der neue Regionalplan gültig wird. Noch liegt er bei der Landesregierung in Stuttgart zur Genehmigung. Bis ein Ergebnis vorliegt, wird es aber noch weitere Monate dauern, wie die „Schwäbische Zeitung“ auf Nachfrage beim zuständigen Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg erfahren hat. Das bedeutet, dass vorerst auch das Genehmigungsverfahren für die umstrittene Kiesgrube bei Vogt-Grund nicht beginnen kann.
...Zwar hat die Verbandsversammlung das Werk 2021 verabschiedet, dennoch hat das Ministerium für Landesentwicklung in Stuttgart das letzte Wort. Auf Nachfrage heißt es aus dem Ministerium: „Mit dem Abschluss des Genehmigungsverfahrens kann nach derzeitigem Stand voraussichtlich im ersten Quartal 2023 gerechnet werden. Eine etwaige Erteilung der Genehmigung wird vom Regionalverband im Staatsanzeiger Baden-Württemberg öffentlich bekannt gemacht.“ Schon bei der Einreichung im Herbst 2021 wurde davon ausgegangen, dass der Genehmigungsprozess mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen wird.

Einer der umstrittenen Punkte ist der im Altdorfer Wald vorgesehene Kiesabbau, der in der Region eine Protestwelle auslöste, die weit über den Kiesabbau hinausging. Ein Bündnis verschiedener Verbände kritisierte auch den Flächen- und Ressourcenverbrauch.....

Dienstag, 23. August 2022

Kleinere Wohnung statt größerem Eigenheim

 Schwäbische Zeitung  hier  Von Claudia Kling   Berlin

In Deutschland wächst seit Jahren die durchschnittliche Wohnfläche pro Person - Bauministerin Geywitz hält das für ein Problem

Das Eigenheim. Danach sehnen sich viele Menschen, die es sich irgendwie leisten können. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Viel Platz, ein bisschen Grün drumherum, etwas Abstand zu den Nachbarn. Doch in der Politik baut sich eine Front gegen allzu großzügige Wohnformen auf, auch Bauministerin Klara Geywitz (SPD) hat darüber eine Debatte angestoßen. Dabei geht es ihr nicht (nur) um die Versiegelung von Böden, ihr geht es auch um den Energieverbrauch - und somit um die Klimaschutzziele der Bundesregierung. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was hat Wohnfläche mit Klimaschutz zu tun?

Montag, 15. August 2022

"Recycling schafft Firmen Vorteil im Wettbewerb"

Der Gemeinderat Salem hat erst vor Kurzem beschlossen, in Zukunft Recyclingkies zu fördern (hier). Bad Saulgau ist schon länger am Thema und hat nun einen Weg entwickelt, wie das auf bürokratischer Ebene gut umzusetzen ist.

Schwäbische Zeitung  hier   11.07.2022   Dirk Thannheimer

Städtische Baustellen

Kies ist ein wichtiger Baurohstoff. Aber in Zukunft will die Stadt Bad Saulgau, dass bei Baumaßnahmen mehr Sekundärstoffe verwendet werden.

Die Stadt Bad Saulgau als Pionier: Bei der Vergabe von Baumaßnahmen soll den Bietern ein Reiz geschaffen werden. Der Gemeinderat hat dem Vorschlag eines fiktiven Bonus zugestimmt, falls aus Recycling gewonnene Sekundärbaustoffe anstelle von Primärbaustoffen verwendet werden. Dadurch kann auch ein höheres Angebot den Vorzug bekommen.

Die Stadt Bad Saulgau und ihre Eigenbetriebe Stadtwerke und Abwasser haben lange gegrübelt, wie sie denn in Zukunft bei Baumaßnahmen die Umwelt besser schonen können. „Wir setzen bislang sehr viel Kies ein, was wiederum ein Konflikt für das Grundwasser bedeutet“, sagt Johannes Übelhör, technischer Leiter der Stadtwerke.

Ziel müsse es aber sein, Ressourcen zu schonen und einen Beitrag zum Schutz der Umwelt zu erhalten. Übelhör fügt an, dass deshalb auf Kiesgruben nicht gänzlich verzichtet werden könne.

Freitag, 20. Mai 2022

Mehr Solarparks am Straßenrand

Schwäbische Zeitung Von Philipp Richter

Im Kreis Ravensburg könnte es mehr großflächige Photovoltaikanlagen geben

Die Energiewende soll in großen Schritten vorankommen. Allein im Landkreis Ravensburg gibt es schon heute mehrere Windparkprojekte, außerdem soll im Altdorfer Wald das größte Windkraftprojekt in Baden-Württemberg realisiert werden. Doch Potenzial für regenerative Energie gibt es auch in Form von ungenutzten Flächen entlang von Bundes- und Landesstraßen, die sich für Photovoltaikanlagen eignen könnten. Dazu gab die Landesregierung eine Marktanalyse in Auftrag, die das Interesse von Energieversorgern abfragen sollte. Teilergebnis: Auch im Landkreis Ravensburg könnte es entlang der Bundesstraßen in Zukunft großflächige Photovoltaikanlagen geben.

In Baden-Württemberg gibt es laut Angaben des Verkehrsministerium des Landes rund 4840 Kilometer Bundesstraßen und etwa 9650 Kilometer Landesstraßen. Im Februar hatte das Ministerium unter Führung von Minister Winfried Hermann (Grüne) Energieversorger aufgerufen, Angebote abzugeben, wenn sie sich vorstellen können, entlang einer Straße große Photovoltaikanlagen für die Stromgewinnung zu bauen. Maßgeblich sollten Böschungsflächen oder Lärmschutzbauwerke in Ost-Westrichtung geprüft werden.

Nach Ende der Ausschreibung der Marktanalyse Ende April ist nun klar, dass es auch im Landkreis Ravensburg solche Photovoltaikprojekte geben könnte. „Es wurden von drei Interessenten Flächen an Bundesstraßen im Landkreis Ravensburg bekundet. Hierbei liegt das überwiegende Interesse an Innenflächen von Ein- und Ausfahrtsbereichen von Bundesstraßen“, schreibt das Ministerium auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Wo konkret sich die Flächen befinden, wollte man in Stuttgart noch nicht mitteilen. Zunächst würden die gemeldeten Flächen geprüft. Konkrete Planungen oder Aussagen zu bestimmten Flächen könne man erst nach der Prüfung tätigen.....

Landesweit haben nach Ministeriumsangaben die Energieversorger Interesse an mehr als 600 Flurstücken an Bundes- und Landesstraßen bekundet. Schätzungsweise die Hälfte der Flächen liegen im Eigentum des Bundes beziehungsweise Landes und werden damit in den kommenden Monaten näher betrachtet. Auch eine erste Bewertung der eingereichten Angebote des Ministeriums gibt es bereits: „In Summe ist die Qualität der Flächendarstellungen gut.“....

Mittwoch, 13. April 2022

Emissionsziele für alle Sektoren

 Schwäbische Zeitung hier  Kara Ballarin  12.4.22

Grün-Schwarz will Klimaschutz konkret machen

Die großen Ziele stehen: Bis 2030 will Baden-Württemberg seinen Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent reduzieren. Spätestens 2040 – fünf Jahre früher als der Bund – will das Land klimaneutral sein. Wie soll das gehen? Dazu hat sich die Regierung ein neues System ausgedacht. Erstmals bekommt auch jeder Bereich eigene CO2-Einsparziele.....

Dienstag, 15. März 2022

Neue Wohnformen und flexiblere Bauten: Kreative Ideen sollen Wohnungsnot lindern

 Kreis Ravensburg  Schwäbische Zeitung  hier    Karin Kiesel

...Die Wohnungsnot vor allem im bezahlbaren Bereich ist kein neues Thema, hat aber eine neue Dimension angenommen. Das gilt ebenfalls für die Region Oberschwaben-Allgäu-Bodensee. Um die missliche Lage zu lösen, braucht es neben Förderprogrammen und mehr Bauten auch neue Wohnformen, gemeinschaftliche Projekte und innovative Quartiere. ...

Sonntag, 13. März 2022

"Utopische Energiewende"

 Schwäbische Zeitung hier  Von Benjamin Wagener

Anspruch und Wirklichkeit sind beim Aufbau der deutschen Ökostromwirtschaft noch weit voneinander entfernt - Eine realistische Betrachtung

.... Das Problem: Es gibt keinen Anbieter, keinen Handwerker, der ihm Solarmodule verkauft und sie auf das Dach montiert. Vier Unternehmen im Kreis Ravensburg hat der Hausbesitzer angeschrieben - vier Absagen oder Vertröstungen. Entweder haben die Firmen keine Zeit oder sie bekommen keine Module oder ihnen ist der Auftrag bei einem Reihenhaus zu wenig lukrativ.

Ein Beispiel, das einen kleinen Ausschnitt aus dem Problemfeld Energiewende zeigt und das demonstriert, wie groß die Herausforderung des Jahrhundertprojekts wirklich ist. Denn trotz vieler Beteuerungen von Experten, die sich mit dem Thema auskennen, ist seit Langem klar, dass weder Politik und Wirtschaft noch die Bürger in Deutschland auf die einschneidenden Veränderungen vorbereitet sind, die angestoßen werden müssten, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Zu den Experten gehört Andreas Thiel-Böhm, Chef der Technischen Werke Schussental (TWS), einem Unternehmen, das im Raum Bodensee-Oberschwaben-Allgäu Menschen mit Strom, Gas, Wärme und Wasser versorgt. „So wie wir jetzt agieren, sind die Ziele nicht erreichbar, weil fast alle Grundlagen fehlen“, sagt Thiel-Böhm im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. „Wir geben uns auch keine Mühe. Ich habe extreme Zweifel, weil wir keinen Mut aufbringen und immer im Klein-Klein stecken bleiben.“