Daniel Mautz / LinkedIn
Deutschlands Erneuerbare dämpfen die Strompreise, während Frankreichs Atomstrom-Schnäppchen auf Pump fliegt
Die Berliner Zeitung titelt, deutsche Strompreise seien viermal so hoch wie in Frankreich. Das klingt dramatisch. Bis man versteht, welchen Preis Frankreich dafür zahlt, nur eben nicht auf der Stromrechnung.
Der Börsenstrompreis in Deutschland ist im März trotz des Iran-Kriegs leicht gesunken. Von 95,25 auf 94,93 Euro pro Megawattstunde. Gleichzeitig stieg der Gaspreis um 47 Prozent.
Der Grund ist simpel und belegt. PV und Wind haben Gaskraftwerke als preisbestimmende Technologie in immer mehr Stunden verdrängt. Photovoltaik lieferte im März 21,1 Prozent der Stromerzeugung, Wind 23 Prozent.
Gaskraftwerke fielen von 20 auf 12 Prozent.
Die Energiewende wirkt als Preisdämpfer
in einer globalen Energiekrise.
Das ist kein Wunder. Das ist Physik plus Marktdesign.
Und Frankreich? Frankreich mit seinem großen AKW-Park galt bisher als Billigstromland. Allerdings werden die Elektrizitätspreise dort vom Staat künstlich niedrig gehalten.
Bisher übernahm der Staat über die Preisdeckelung quasi gut ein Drittel der Stromrechnung. Macron hatte den jährlichen Anstieg der Strompreise 2022 auf 4 Prozent gedeckelt und die dadurch verursachten Milliarden an Mehrkosten des staatlichen Energieversorgers EDF durch höhere Schulden übernommen. Die Deckelung spiegelte also nicht die realen Marktpreise wider. Der französische Atomstrom war nicht billig. Er wurde billig gemacht.
Wer den echten Preis sehen will, muss auf den Schuldenberg schauen. EDF türmte 64,5 Milliarden Euro Schulden auf. Trotz aller staatlichen Unterstützung musste Frankreich den Konzern 2023 komplett verstaatlichen und erneut Milliarden zuschießen. Allein die Verstaatlichung kostete knapp zehn Milliarden Euro Steuergeld.
Die gedeckelten Preise für Atomstrom werden ab 2026 um 67 Prozent erhöht. Die Staatsverschuldung Frankreichs hat mittlerweile mit mehr als 3.000 Milliarden Euro eine höchst kritische Größe erreicht.
Wer also Deutschlands Strompreise mit Frankreich vergleicht, ohne die ausgelagerten Milliarden im Staatshaushalt,
die EDF-Schulden und die explodierenden Kosten für Laufzeitverlängerung, Rückbau und Atommüll zu erwähnen, vergleicht nicht Preise.
Er vergleicht eine ehrliche Rechnung mit einer frisierten.
Deutschland hat ein Preisproblem bei Steuern und Abgaben. Aber beim Erzeugerpreis zeigt sich, dass Erneuerbare billiger und krisenfester sind als jedes fossil-nukleare Geschäftsmodell auf Kredit.
Focus hier Jacqueline Arend 02.04.2026
Günstiger trotz Iran-Krieg: Das deutsche Strompreis-Wunder
Energiekrise auf der ganzen Welt: Wegen des Iran-Kriegs explodieren die Preise für Öl und Gas. Doch die deutschen Börsenstrompreise sinken hingegen. Experten sagen: Das hat vor allem mit der Energiewende zu tun.
Weltweit steigen die Energiepreise rasant. Öl und Gas werden immer teurer, und viele Länder – ebenso wie ihre Bürger – spüren die Folgen der Blockade der Straße von Hormus direkt an der Tankstelle.
Deutschland spürt zwar ebenfalls steigende Spritpreise, beim Strom zeigt sich jedoch ein kleines Wunder: Anders als noch zu Beginn der Energiekrise nach dem Ukraine-Krieg bleiben die Preise hierzulande weitgehend stabil – manche sogar leicht sinkend.
Denn während fossile Energieträger im März kräftig teurer wurden, ist Strom an der Börse minimal günstiger geworden. Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), die dem RND vorliegen, zeigen: Der durchschnittliche Großhandelspreis für Gas stieg von knapp 36 Euro auf über 52 Euro pro Megawattstunde – ein Plus von rund 47 Prozent. Gleichzeitig sank der sogenannte Day-ahead-Strompreis leicht von 95,25 Euro auf 94,93 Euro pro Megawattstunde, also um rund 1,4 Prozent.
Dieses kleine Paradox
– steigende Gaspreise, fallende Strompreise –
hängt eng mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zusammen und zeigt:
Die Energiewende wirkt bereits als Preisdämpfer,
selbst in Zeiten globaler Krisen.
Strommarkt im Frühling 2026: Erneuerbare im Vorteil
„Betrachtet man Februar und März, dann gab es eine deutliche Veränderung bei den Energieträgern für die Stromerzeugung“, sagt Leonhard Gandhi, Experte für Energie-Ökonomie am ISE. Der Beginn des Iran-Kriegs fiel mit dem Ende des Winters zusammen – die Photovoltaik-Anlagen konnten nun stärker einspeisen.
Den Energy-Charts zufolge waren Solaranlagen in der zehnten und zwölften Jahreswoche sogar die wichtigste Stromquelle in Deutschland. Photovoltaik lieferte im März 18,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung, inklusive Eigenverbrauch 21,1 Prozent. Windkraft an Land und auf See steuerte zusätzlich 23 Prozent bei. Der Anteil der Gaskraftwerke sank gleichzeitig von 20 auf 12 Prozent.
Gandhi erklärt: „Die preisdämpfenden Effekte bemerken vor allem Unternehmen, die Strom direkt an der Börse einkaufen. Private Haushalte haben langfristige Tarife, die nur langsam angepasst werden.“ Sein Fazit: „Endkundenpreise bleiben eher stabil oder steigen nur leicht, obwohl Gas und Öl teurer werden. Ohne die Erneuerbaren wären die Preissteigerungen deutlich stärker.“
Aber auch das wärmere Wetter und Kohle-Strom spielten im März eine entscheidendere Rolle, erklärt Kesavarthiniy Savarimuthu gegenüber FOCUS online Earth. Sie leitet die Abteilung für "Europäische Energie" beim Analyseunternehmen BloombergNEF.
"Wärmeres Wetter führte zu einer geringeren Heizlast und damit zu einem niedrigeren Stromverbrauch. Gleichzeitig verdrängte eine höhere Solarstromerzeugung teureren Gaskraftstrom", erklärt die Expertin. Zudem hätten die steigenden Gaspreise den Wechsel von Gas zu Kohle gefördert, da Kohle im Vergleich zu Gas sogar wirtschaftlicher wurde.
Warum Strompreise langsam vom Gaspreis entkoppelt werden
Das Geheimnis liegt im Merit-Order-Prinzip: Der Strompreis richtet sich nach der teuersten noch benötigten Kraftwerksanlage. Früher waren das meist Gaskraftwerke, deren Kosten mit steigenden Gaspreisen stark anstiegen.
Bruno Burger, der Energy-Charts aufgebaut hat, erklärt: „Im Februar lag der Strompreis noch in 270 Stunden, also 40 Prozent der Zeit, über den Grenzkosten der Gaskraftwerke. Im März war das nur noch in 181 Stunden oder 24 Prozent der Zeit der Fall. Gleichzeitig gab es deutlich mehr Stunden, in denen der Strompreis fast null Euro betrug oder sogar darunter.“
Christoph Maurer, Energie-Experte und Markt-Beobachter, ergänzt gegenüber FOCUS online Earth: „Tagsüber deckt die hohe PV-Erzeugung die Nachfrage oft vollständig, und die Preise liegen nahe null. Abends, wenn Gaskraftwerke die Grenztechnologie bilden, steigen die Preise im Verhältnis zu Februar stark. Die Preise reagieren also, aber unterschiedlich je nach Tageszeit.“
Kurz gesagt: Solar- und Windstrom verdrängen Gas als Preistreiber. Steigende Gaspreise wirken daher nur noch eingeschränkt auf den Börsenstrompreis. „Dies hat den Strompreis auf jeden Fall günstiger gemacht“, sagt Burger.
Der Jahresvergleich verdeutlicht diesen Effekt der erneuerbaren Energien, wie auch die BloombergNEF-Expertin Savarimuthu bestätigt: „In Deutschland entfielen zwischen April und September 2025 über 50 % der monatlichen Stromerzeugung auf erneuerbare Energien – im Jahr 2021 waren es noch rund 30 %. Dadurch tragen erneuerbare Energien strukturell zur Senkung der Durchschnittspreise bei, führen jedoch gleichzeitig zu stärkeren Preisschwankungen innerhalb eines Tages.“
Die Speicher und Preisgrenzen der Energiewende
Trotz der ersten Entkopplung von Gaspreisen gibt es bislang noch Grenzen bei der Energiewende, so Maurer. Die Speicherleistung in Deutschland reiche noch nicht aus, um Tages- und Nachtschwankungen auszugleichen. Deshalb schwanken die Preise weiterhin stark, so der Energie-Experte.
„In Märkten wie Deutschland befindet sich der Batteriespeicherbereich noch im Aufbau und hat noch nicht die kritische Masse erreicht, um Preisspitzen vollständig abzufedern“, so auch Savarimuthu.
„Solche Preisspitzen sind jedoch wichtig, um weitere Investitionen in Batteriespeicher anzureizen. Deutschland erlebt derzeit einen schnellen Ausbau der Batteriekapazitäten und befindet sich auf einem guten Weg, dass Batterien weiter wachsen.“
Für eine stabile Stromversorgung trotz steigender Gas- oder CO2-Preise betont die Expertin, dass Deutschland kurzfristige Flexibilität mit langfristigen Maßnahmen der Energiewende verbinden muss. Ein gestaffelter Kohleausstieg könnte als Puffer gegen Gasschocks dienen, während der Ausbau sauberer, steuerbarer Technologien wie Batteriespeicher die Versorgungssicherheit - und Preisstabilität erhöht.
Denn: Mehr Speicherkapazität würde die Preisschwankungen glätten – sowohl Spitzen als auch Stunden mit fast null Euro.
Der Ausbau von Batteriespeichern ist dabei ein zentraler Baustein, um Preisspitzen abzufedern,
die Versorgungssicherheit zu stärken
und Deutschland gleichzeitig flexibler gegenüber
geopolitischen Risiken zu machen.
Allerdings unterliegen die Gaskraftwerke, die Teil von Deutschlands Kraftwerksstrategie sind, jedoch weiterhin den Gaspreisen – und beeinflussen damit auch die Strompreise.
Langfristig ist laut Maurer die Abhängigkeit von fossilen Energien das eigentliche Problem: „Ein gezielter Ausbau erneuerbarer Energien reduziert die Systemkosten und verringert die Abhängigkeit von Gas- und CO2-Preisen. Außerdem hilft der grenzüberschreitende Netzausbau, da Länder sich gegenseitig ausgleichen können.“
„Der starke Photovoltaik-Ausbau in Deutschland seit 2022 sorgt dafür, dass steigende Erdgaspreise die Börsenstrompreise hierzulande deutlich weniger beeinflussen. Trotzdem reicht der Ausbau der erneuerbaren Energien noch nicht aus, um Deutschland vollständig unabhängig von geopolitischen Schocks zu machen", erklärt Gandhi ebenfalls dem PV-Magazin.
Das Fazit:
Ohne die erneuerbaren Energien wären die Strompreise
in Deutschland durch die Hormus-Blockade
längst deutlich stärker gestiegen.
Die Energiewende wirkt damit nicht nur preisdämpfend, sondern ist auch zentral für die Versorgungssicherheit in Krisenzeiten.
Mehr Wind und ein deutlicher Zubau der Hashtag#Windkraft sorgten für 29 % mehr Windstrom im 1. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr.
Mehr erneuerbarer Strom verdrängt teure fossile Hashtag#Erdgaskraftwerke
Sie setzen nach dem Merit-Order-Prinzip oft den Hashtag#Strompreis
Deshalb senken mehr erneuerbare Energien auch die Stromkosten
Warum will das Wirtschaftsministerium das Ausbautempo der erneuerbaren Energien drosseln?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen