Freitag, 20. Februar 2026

Was passiert eigentlich, wenn kein Gas kommt?

 


Felix Bräuer  •

Ist das die Dunkelflaute der fossilen Energien?

Ein Video der Ostsee Zeitung zeigt gerade sehr eindrücklich etwas, das wir uns eigentlich viel öfter ehrlich eingestehen müssten. 

Wochenlang liegt Eis vor dem größten und wichtigsten LNG Terminal Deutschlands. Dort wird kein Gas angelandet. Die Speicherstände sinken auf ein kritisches Niveau. Und gleichzeitig wird in vielen Debatten so getan, als wäre Versorgungssicherheit ausschließlich ein Problem der Erneuerbaren.

Genau hier beginnt die große Schieflage in unserer öffentlichen Diskussion.

Denn wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, nennen wir das Dunkelflaute.

Dieses Wort wird seit Jahren als Totschlagargument genutzt, um zu suggerieren, dass eine Energiewende grundsätzlich nicht funktionieren könne. 

Obwohl sich Ingenieurinnen und Ingenieure, Systemplanerinnen und Systemplaner und die Wissenschaft längst einig sind, dass ein erneuerbares Energiesystem nie auf einer einzelnen Technologie basiert, sondern immer auf dem intelligenten Zusammenspiel aus Speichern, Flexibilitäten, Lastmanagement, europaweit verteilter Erzeugung, kurz und langfristigen Speichern und für wenige Stunden im Jahr auch steuerbaren Kraftwerken.

Also kein physikalisches Unmöglichkeitsproblem.
Sondern ein lösbares Design und Systemproblem.


Aber drehen wir den Spieß einmal um und
stellen dieselbe Frage für fossile Energien.

Was passiert eigentlich, wenn kein Gas kommt.
Wenn Häfen zufrieren.
Wenn Lieferketten reißen. 

Wenn geopolitische Spannungen eskalieren.
Wenn autokratische Staaten den Hahn zudrehen.
Oder wenn Pipelines sabotiert werden.


Ist das dann keine Dunkelflaute. Nur eben eine fossile.

Der entscheidende Unterschied ist jedoch fundamental.

Bei fossilen Energien haben wir in Deutschland so gut wie keine eigenen Ressourcen. Wir sind strukturell abhängig. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Auf Jahrzehnte hinaus.


Bei Sonne und Wind ist das komplett anders.

Sie gehören uns.

Sie können uns nicht sanktioniert werden.

Sie lassen sich nicht blockieren.

Sie können nicht politisch erpresst werden.


Und genau deshalb sind Erneuerbare Friedensenergie. Weil Dezentralität Resilienz schafft. Weil viele tausend Anlagen stabiler sind als wenige zentrale Großanlagen. Und weil ein Dach, ein Parkplatz, ein Acker oder ein Gewerbegebiet keine geopolitische Waffe werden kann.

Ja, auch ein erneuerbares System braucht Speicher.

Ja, auch ein erneuerbares System braucht Backup.

Aber es reduziert systematisch das größte Risiko unserer heutigen Energieversorgung.

Abhängigkeit.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob die Energiewende funktioniert.

Sondern wie lange wir uns noch einreden wollen, dass das heutige fossile System sicher sei.

Die Bilder vom vereisten LNG Terminal sind kein Ausrutscher.

Sie sind ein Vorgeschmack auf ein System, das immer verwundbarer wird.


Quelle: Ostseezeitung


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