Wenn das mal keine Überraschung ist !
Man fragt sich unwillkürlich: Weiß das die Frau Reiche?
Und welche Ideen tüftelt sie (zusammen mit der CSU) wohl jetzt wieder aus, um den Gang vorwärts - Fortschritte weg von den Fossilen - zu verhindern?
Trauriges Deutschland, wenn wir uns nicht mehr auf Fortschritte freuen können, weil wir ständig mit Angriffen auf die Klimaziele rechnen müssen.
Spiegel hier Von Gerald Traufetter 23.09.2026,
Regierung legt Fahrplan zum Ausstieg aus Kohle, Erdgas und Öl festDas Kabinett will bis 2045 aus den fossilen Energien aussteigen. Den Plan wird Umweltminister Schneider nach SPIEGEL-Informationen bei der Uno-Generalversammlung heute vorstellen. Mit ihm rückt die Regierung auch von Forderungen der Union ab.
Das Bundeskabinett hat an diesem Mittwochmorgen den deutschen Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Energien Erdgas, Erdöl und Kohle beschlossen. Damit legt sich Deutschland in der Uno-Initiative »Roadmap for Transitioning Away from Fossil Fuels« (TAFF) fest, wie es bis 2045 die klimaschädliche Emission von Kohlendioxid aus fossilen Energien auf null reduzieren will. Nach SPIEGEL-Informationen wird Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) dieses Dokument am Abend auf einer Veranstaltung internationaler Staatschefs in New York vorstellen.
Innenpolitisch ist dieser Schritt durchaus heikel. Denn dadurch tritt die Bundesregierung Forderungen auch aus den eigenen Reihen entgegen, etwa beim Bepreisen von Klimagasen Abstriche zu machen oder den Wechsel auf Elektroautos oder Wärmepumpen zu verlangsamen. »Die aktuelle Weltlage bringt neue Dynamik in die internationale Klimaschutzpolitik«, sagt Umweltminister Schneider dem SPIEGEL und spielt damit auf die hohen Kraftstoffpreise an.
Uneinigkeit bei der Union: Ist das ein Klimaziel oder kann das weg?
Ein Newsletter von Susanne Götze hier
Schneider erinnert an die Wetterextreme in diesem Sommer, die zeigten, wie teuer und gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energien sei. »Wenn die Lage an der Straße von Hormus darüber entscheidet, ob Menschen sich den täglichen Weg zur Arbeit noch leisten können, ist das kein guter Zustand«, so Schneider. Deutschland ist nach Frankreich und den Niederlanden das dritte Land, das nun eine TAFF-Roadmap beschlossen hat.
Die brasilianische Präsidentschaft der Weltklimakonferenz hatte das Ausstiegsthema vergangenen November in Belem hoch auf die Agenda gesetzt. Im Oktober will das südamerikanische Land, rechtzeitig vor der kommenden Weltklimakonferenz in der Türkei, den internationalen Fahrplan für das Aus von fossilen Energien vorstellen. Der deutsche Fahrplan ist einer von möglichst vielen.
Die beteiligten Bundesministerien wie Verkehr, Wirtschaft und Finanzen hatten die Erklärung unter Federführung des Umweltressorts ausgehandelt. Ursprünglich hätte auch Bundeskanzler Friedrich Merz an der Veranstaltung in New York teilgenommen. Doch der sagte seine Reise wegen der Landtagswahlen und dem Streit in der Koalition um den Reformkurs ab. Inhaltlich allerdings ist das 22-seitige Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, mit dem Kanzleramt abgestimmt.
Darin rechnet die Bundesregierung vor, welche Kosten die Abhängigkeit von Gas, Öl und Kohle für das Land bedeutet. 2024 verbrauchte Deutschland noch fossilen Brennstoff in Form von Mineralölen (36 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs), Erdgas (24 Prozent) und Kohle (5 Prozent). Der Löwenanteil musste importiert werden und kostete 76 Milliarden Euro. »Diese Kosten sind seit der Krise rund um Iran massiv gestiegen«, heißt es in dem Roadmap-Text.
Mit dem Verbrennen von fossilen Energien soll bis 2045 Schluss sein. »Der Schlüssel dazu liegt in einem weiterhin dynamischen Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, der weitgehenden Elektrifizierung der Endenergieverbräuche in allen Sektoren und – dort, wo eine direkte Elektrifizierung technisch und wirtschaftlich noch nicht möglich ist – dem Einsatz klimaneutraler Brennstoffe«, heißt es in dem Text der Initiative.
In allen Bereichen sei man »bereits deutlich vorangekommen«, wobei sich »neue umweltverträgliche, effiziente Technologien und Wirtschaftsweisen« durchgesetzt hätten. Die Regierung sieht darin eine Chance für die deutsche Wirtschaft: »Dadurch ergeben sich neue Geschäftsmodelle und hochwertige Arbeitsplätze, die gleichzeitig zu verstärkter wirtschaftlicher Unabhängigkeit und mehr Resilienz beitragen können.«
Schon 2025 habe der Anteil der erneuerbaren Energie 55 Prozent am Bruttostromverbrauch betragen. Erstmals seien im vergangenen Jahr mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verbaut worden. Der Anteil von Elektroautos betrage inzwischen über 30 Prozent bei allen Neuwagen. Das im März beschlossene Klimaschutzprogramm werde zusätzliche 2000 Windkraftanlagen ermöglichen. 800.000 neue Elektroautos werden bezuschusst, in der Industrie wird die Umstellung auf Grünstrom bei der Prozesswärme gefördert. »Dadurch lassen sich im Jahr 2030 mehr als 800 Millionen Liter Benzin und mindestens 2,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas einsparen«, rechnet das Umweltministerium vor.
In ihrer TAFF-Roadmap versichert die Regierung international, die Kohleverstromung bis 2038 zu beenden, so wie bereits beschlossen. Man wolle überprüfen, ob »das Enddatum auf das Jahr 2035 vorgezogen« werden kann, heißt es.
In dem Papier scheint die Regierung außerdem davon abzurücken, biobasierte Kraftstoffe im Straßenverkehr einzusetzen. Das steht im Gegensatz zu Forderungen aus der Union, speziell von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die das geplante Aus von Verbrennungsmotoren 2035 bekämpft hatten. In dem TAFF-Papier heißt es nun: Die EU-weit geltenden CO₂-Flottenziele ließen einen »bis 2035 auf 100 Prozent ansteigenden Neuzulassungsanteil von batterieelektrischen Pkw erwarten«.
Wärmepumpe statt Biogas
Ähnlich wirkt es bei der Wärmeerzeugung. Da hatte die Regierung gerade erst das Heizungsgesetz verändert und auch wieder Erdgas- und Ölheizungen mit einem wachsenden Anteil von klimaneutralen Brennstoffen zugelassen. Sie werden in dem Text zwar erwähnt. Aber der elektrisch betriebenen Wärmepumpe gehört nach Ansicht der Bundesregierung die Zukunft: »Gemäß dem jüngsten Projektionsbericht der Bundesregierung von 2026 wird die Wärmepumpe in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zum dominanten Heizsystem in Deutschland«, steht in dem TAFF-Text.
Eine Absage erteilt die Regierung auch an die Hoffnung mancher, die Bepreisung von Kohlenstoffdioxid zu reduzieren. Das Emissionshandelssystem werde 2028 »vollständig in Betrieb gehen und Brennstoffemissionen aus Gebäuden, Straßenverkehr und weiteren Sektoren erfassen«, heißt es weiter. Auch sollen die Emissionsobergrenzen so verschärft werden, sodass sie »an dem EU-Klimaziel für das Jahr 2040 ausgerichtet« seien.
Umweltminister Schneider verbindet den Klimaschutz mit geostrategischer Unabhängigkeit und wirtschaftlichem Wachstum. »Das Geld, das wir bisher für den Import von Öl und Gas ausgeben müssen, fließt künftig verstärkt in lokale Wertschöpfung«, erklärt er. »Die Abkehr von fossilen Energien verbindet Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz miteinander.« Er wolle mit diesem Fahrplan ein internationales Zeichen setzen. »Ich bin sicher, dass viele weitere Länder folgen werden«, sagt der SPD-Politiker.
Bei Klimaexperten stößt das Papier auf Zustimmung. »Deutschland setzt ein wichtiges Signal für das Ende fossiler Energien nur Wochen vor der Weltklimakonferenz in der Türkei«, kommentiert Bernhard Lorentz, Gründer der Denkfabrik Stiftung Klimaneutralität. Die Regierung spreche sich damit zudem für Investitionen in grüne Technologien aus, mit denen die deutsche Wirtschaft wichtige Zukunftsmärkte besetzen könne.
Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe hier 23.09.2026
Kabinett beschließt fossilen Ausstiegsplan:
Deutsche Umwelthilfe fordert konsequente Umsetzung von Verbrenner-Aus und Energiewende
Deutsche Umwelthilfe fordert konsequente Umsetzung von Verbrenner-Aus und Energiewende
Das Bundeskabinett hat einen fossilen Ausstiegsfahrplan bis 2045 beschlossen und will sich damit der UN-Initiative „Transitioning Away from Fossil Fuels“ (TAFF) anschließen. Die sogenannte „Roadmap“ stellt Umweltminister Schneider heute bei der UN-Generalversammlung vor.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft der Bundesregierung vor, den Ausstiegsplan mit zahlreichen fossilen Gesetzen und Gesetzesvorhaben schon jetzt zu untergraben.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die Bundesregierung erkennt in ihrer Roadmap an, dass die Elektrifizierung des Straßenverkehrs zentral ist, um uns aus der Öl-Abhängigkeit zu befreien – gleichzeitig arbeitet sie jedoch in Brüssel seit Monaten mit allen Mitteln daran, den beschlossenen Verbrenner-Ausstieg bei Pkw-Neuzulassungen bis 2035 rückgängig zu machen. Wenn dieser Fahrplan irgendetwas wert sein soll, muss die Bundesregierung ihre Worte endlich mit konkretem Handeln hinterlegen und im Verkehrssektor alle Hebel umlegen. Wir fordern eine beschleunigte Antriebswende und den konsequenten Ausbau von Rad-, Bus- und Bahnverkehr.“
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Statt den Ausstieg aus fossiler Energie voranzubringen, würgt die Bundesregierung die Erneuerbaren Energien ab. Netzpaket und Erneuerbare-Energien-Gesetz gehen in die völlig falsche Richtung. Auch die Ausweitung von Gasbohrungen in der Nordsee und die milliardenschweren Subventionen für neue Gaskraftwerke passen nicht in die versprochene ‚Transition‘.
Schon gar nicht kann die Bundesregierung alleine auf das Klimaschutzprogramm 2026 verweisen. In unserer Klimaklage dagegen haben wir bereits dargelegt, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um die gesetzlichen Klimaziele zu erfüllen. Wenn die Bundesregierung es mit dem fossilen Ausstieg ernst meint, muss sie an allen Stellen nachbessern."
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