In aller Kürze/ LinkedIn hier
Bemerkenswerter Kommentar von Robert Pausch zur aktuellen Empörungswelle gegen die Linke in Berlin.
„Man wird den Verdacht nicht los, dass diese Empörung geschauspielert ist. Vielleicht ist die Sache auch ganz einfach: In Berlin soll ein Tabubruch inszeniert werden, um danach einen anderen, einen echten Tabubruch herbeizuführen: Wenn Grüne und SPD mit den Linken regieren, dann, so kann man es jetzt schon lesen, müsste die CDU doch auch mit der AfD regieren.
Das ist das Spiel, das einige gerade spielen. Die deutsche Geschichte ist für sie nur Werkzeug. Die Linke sollte in Berlin ihre Chance zum Regieren bekommen.“
da wundert sich selbst ein "alter" CDU`ler, mit welcher Einseitigkeit hier Kampagnen vorangetrieben werden...
zuhören, Sorgen und Nöte ernst nehmen und
die Migrationspolitik verschärfen.
Fest, fest und immer fester.
Er fragte, ob Grünen- und SPD-Politiker künftig noch am Auschwitz-Gedenktag teilnehmen könnten, wenn sie mit der Linken koalieren.
Man kann schließlich nicht auf der einen Seite die Singularität des Holocausts betonen und auf der anderen Seite Auschwitz als tagespolitisches Kleingeld benutzen, wenn man nur Elif Eralp bekämpfen will.
dass diese Mitte schlicht dabei zugesehen hat,
wie die steigenden Mieten in Berlin
zur existenziellen Frage wurden.
Markus Söder und die Ökonomisierung des Menschenwerts
Was Markus Söder am 3. August 2025 im ZDF-Sommerinterview äußerte, mag auf den ersten Blick wie eine wirtschaftspolitische Positionierung erscheinen: Geflüchtete aus der Ukraine sollen kein Bürgergeld mehr erhalten, sondern in das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) überführt werden – mit deutlich reduzierten Leistungen.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein deutlich tieferer Bruch: ein Wandel im politischen Menschenbild, eine Abkehr von humanitären und rechtsstaatlichen Prinzipien hin zu einem reaktionären Utilitarismus, in dem das Existenzrecht von Menschen an deren ökonomische Verwertbarkeit geknüpft wird.
Dieser Beitrag analysiert nicht nur die Tragweite von Söders Äußerungen, sondern auch das darin deutlich werdende Welt- und Menschenbild – und stellt die Frage, wie weit Teile der politischen Rechten in Deutschland sich bereits von einer offenen Gesellschaft verabschiedet haben.
hier Thomas Reinsch 5. August 2025
Markus Söder und die Ökonomisierung des Menschenwerts
Die Rückkehr des ökonomischen Menschen: Söders Menschenbild im Wandel
Markus Söder war nie ein Verfechter progressiver Sozialpolitik – doch seine Haltung zu ukrainischen Geflüchteten markiert einen Kipppunkt: Aus Schutzsuchenden, denen man noch 2022 mit offenen Armen begegnete, werden nun – zwei Jahre später – potenzielle Leistungsverweigerer.
Söder spricht von „falschen Anreizen“ durch das Bürgergeld, das angeblich Integration verhindere. Was hier geschieht, ist mehr als nur Politik mit dem Geldbeutel:
Es ist ein Paradigmenwechsel im Menschenbild.
a.) Die Reduktion auf Nutzwert
Söders Argumentation folgt einer ökonomisierten Anthropologie: Der Mensch ist vor allem dann wertvoll, wenn er sich rechnet – sprich: wenn er arbeitet. Wer dies nicht tut, verliert seine soziale Daseinsberechtigung und wird zur „Belastung“. Dieses Denken hat eine lange, besonders düstere Geschichte: In der bürgerlich-kapitalistischen Moderne war der „Tüchtige“ stets wertvoller als der „Abhängige“. Doch in einem demokratischen Sozialstaat sollte diese Logik längst überwunden sein – zumindest für jene, die vor Krieg, Gewalt und Vertreibung fliehen.
b.) Pauschalurteil statt Kontext
Söders Rhetorik unterscheidet nicht: Die Komplexität der Lebenslagen ukrainischer Geflüchteter – Sprachbarrieren, nicht anerkannte Abschlüsse, Traumata, fehlende Kinderbetreuung – wird ignoriert. Stattdessen wird pauschal von „Arbeitsverweigerung“ gesprochen. Damit entzieht er diesen Menschen nicht nur die materielle, sondern auch die symbolische Grundlage ihrer Legitimität in der Gesellschaft.
Die Praktiken der Exklusion: Was bedeutet der Bürgergeld-Entzug konkret?
Was bedeutet es praktisch, wenn Geflüchtete aus der Ukraine künftig unter das AsylbLG fallen?
a.) Verarmung durch Verwaltung
Die Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes liegen deutlich unterhalb des Existenzminimums. Wer dort hineinrutscht, verliert nicht nur Geld, sondern auch Rechte: Es droht eine Rückkehr zu Sachleistungen, zum Lagerleben, zur Fremdbestimmung. Der Zugriff auf Sprachkurse, Qualifizierungsmaßnahmen und Jobvermittlung wird erschwert oder unmöglich.
b.) Entfremdung statt Integration
Integration ist kein Naturvorgang, sondern eine gesellschaftliche Investition. Wer Integration will, muss Ressourcen bereitstellen. Die massive Kürzung von Leistungen ist jedoch kein Anreiz zur Selbstständigkeit, sondern ein Mechanismus der Entmutigung. Wer täglich um das Nötigste kämpft, hat keine Kraft, Deutsch zu lernen, Bewerbungen zu schreiben oder sich zu qualifizieren.
Der reaktionäre Drift: Söders Rhetorik als Symptom eines gesellschaftlichen Rückfalls
Söders Haltung zu ukrainischen Geflüchteten steht nicht für sich allein. Sie ist Ausdruck eines größeren politischen Klimas, in dem rechte Rhetorik zunehmend den öffentlichen Diskurs dominiert.
a.) Vom Konservatismus zum autoritären Populismus
Söder bewegt sich zunehmend aus dem konservativen Spektrum heraus in ein Feld, das früher offen der AfD überlassen war. Seine Sprache – von „sozialem Missbrauch“ bis zu „Belohnung für Nichtstun“ – bedient bewusst ressentimentgeladene Affekte. Er adressiert nicht die Wirklichkeit, sondern das Vorurteil. Das Ziel: Wählergewinn durch Ausgrenzung.
b.) Die Rückkehr des autoritären Sozialdarwinismus
Was hier entsteht, ist ein neues altes Denken: Leistung statt Lebensrecht. Wer nichts beiträgt, darf auch nichts erwarten. Dieses Weltbild ist reaktionär im Wortsinne: eine Re-Aktion gegen den sozialen Fortschritt, gegen die Menschenrechte, gegen die Idee, dass jeder Mensch Würde besitzt – unabhängig von Herkunft, Produktivität oder Status.
Folgen für die Gesellschaft: Die Abschottung vom Fortschritt
Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn ihr Führungspersonal solche Positionen öffentlich vertritt?
a.) Spaltung statt Zusammenhalt
Söders Politik verschärft die Spaltung der Gesellschaft – nicht nur zwischen Inländern und Geflüchteten, sondern auch innerhalb der Mehrheitsgesellschaft. Denn wer Geflüchteten das Existenzrecht abspricht, wird bald auch den „eigenen“ Arbeitslosen, Rentnern, Menschen mit Behinderung gegenüber dieselbe Sprache finden: Nur wer sich „nützlich macht“, zählt.
b.) Stillstand statt Entwicklung
Eine Gesellschaft, die sich abschottet – mental, politisch und sozial – ist nicht fortschrittlich. Sie bleibt im Gestern verhaftet, verteidigt Privilegien, statt gemeinsam Zukunft zu gestalten. Wer Integration verhindert, verhindert Innovation. Wer auf Ausgrenzung setzt, züchtet Radikalisierung. Der demokratische Zusammenhalt droht, unter der Last dieser Rhetorik zu zerbrechen.
Resümee: Der Rückfall in den sozialen Zynismus
Markus Söder hat mit seiner Forderung, das Bürgergeld für ukrainische Geflüchtete zu streichen, nicht nur eine politische Maßnahme ins Spiel gebracht – er hat ein neues (altes) Menschenbild in die Debatte eingeführt: den ökonomisch verwertbaren Menschen als einzig legitimen Staatsbürger. Was hier zum Ausdruck kommt, ist ein tiefgreifender ideologischer Bruch mit dem humanistischen Fundament des demokratischen Sozialstaats.
Sein Kurs ist nicht mehr konservativ, sondern reaktionär. Nicht mehr integrationswillig, sondern abgrenzend. Nicht mehr zukunftsorientiert, sondern rückwärtsgewandt. Und die Rhetorik, mit der er diese Politik rechtfertigt, operiert zunehmend mit niedrigen Instinkten: Angst, Neid, Aggression.
Die Folgen dieser Haltung sind verheerend: Sie zerstört das Vertrauen in die Integrität politischer Institutionen. Sie vergiftet den öffentlichen Diskurs. Und sie verhindert die gesellschaftliche Entwicklung, die wir so dringend bräuchten – in einer Zeit globaler Krisen, geopolitischer Verwerfungen und innergesellschaftlicher Polarisierung.
Die Frage, ob Markus Söder bereits vollständig ins reaktionäre Lager abgedriftet ist, stellt sich nicht mehr – sie hat sich erledigt. Die eigentliche Frage lautet: Wie viele Teile unserer Gesellschaft folgen ihm bereits dorthin?
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