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von Elisa Miebach /Reporterin in der ZDF-Umweltredaktion 21.02.2026
Folgen für Migration und Konflikte: Britischer Geheimdienst warnt vor Kollaps von Ökosystemen
Hunger, Gewalt und Extremwetter spitzen sich zu. Selbst der MI6 schlägt nun Alarm und das Weltwirtschaftsforum warnt: Klima- und Umweltkrisen werden zum größten globalen Risiko.
Klimakrise als globale Sicherheitsgefahr: Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 diskutiert, wie Naturkatastrophen Kriege anheizen. Was bedeutet das für Europa und die USA?16.02.2026 | 4:43 min
Sie steht regelmäßig vor denjenigen, die mehr und mehr ihre Lebensgrundlage verlieren. Die Nigerianerin Adenike Oladosu arbeitet mit Bäuerinnen in ihrem Heimatland:
Aufgrund der Klimakrise können sie in dieser Gegend bestimmte Pflanzen nicht mehr anbauen, zum Beispiel Süßkartoffeln.
Dafür habe sich der Boden zu sehr verschlechtert, sagt Oladosu. Erst Dürre, dann Flut. Eine einzige Flutkatastrophe im September 2024 etwa hatte Ernten und Viehbestände zerstört, die 8,5 Millionen Nigerianer sechs Monate lang ernährt hätten. Auch 2025 vertrieben Überschwemmungen erneut Tausende Menschen und zerstörten zehntausende Hektar Feld.
Gewaltausbrüche verschärfen Krise
Dazu die Gewalt. Mitte Februar wurden allein in einem Dorf im Staat Kwara 160 Menschen bei einer Attacke einer militanten Gruppe ermordet. Gemeinden sind verwüstet, Nahrungsvorräte zerstört.
Mehr als 3,5 Millionen Menschen wurden aufgrund von Gewaltausbrüchen seit Oktober gezwungen, aus ihrer Heimatregion zu fliehen. Fast 35 Millionen Menschen in Nigeria werden laut Welternährungsprogramm in der Dürreperiode in diesem Jahr voraussichtlich unter akutem Hunger leiden.
Das UN-Welternährungsprogramm warnt vor einer Hungersnot in Nigeria: 35 Millionen Menschen werden in diesem Jahr voraussichtlich an schwerer Unterernährung leiden.23.01.2026 | 0:22 min
Historische Konflikte im größten Ölstaat Afrikas
Es gibt vielschichtige Gründe für die Gewalt. Historisch seien Konflikte zwischen traditionellen Bevölkerungsgruppen, etwa Bauern und Nomaden, teils auch auf den Wettbewerb um Land und Wasserressourcen zurückzuführen, der durch den Klimawandel noch verschärft wird, so der nigerianische Politikwissenschaftler Uche Igwe von der London School of Economics.
Dabei ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas auch ressourcenreich - der größte Öl- und Gasproduzent Afrikas steht auch im Fokus der Geopolitik. US-Präsident Donald Trump setzte jüngst sein Militär in Nigeria ein, nach seinen Angaben, um Gewalt gegen Christen zu stoppen.
MI6 warnt vor Umweltkrisen
Nigeria ist ein Land, in dem die Erkenntnisse eines neuen Berichts des britischen Geheimdienstes besonders plastisch werden. Der MI6 warnt vor den sich zuspitzenden Umweltkrisen.
"Ein einprozentiger Anstieg in Ernährungsunsicherheit in einer Bevölkerung zwingt 1,9 Prozent mehr Menschen zur Migration", so der Bericht. Alle Länder seien vom Kollaps von Ökosystemen bedroht - daraus folgten Sicherheitsrisiken.
Nigeria hat weiter mit Problemen zu kämpfen. Während Terror und Entführungen dem Land zu schaffen machen, sagt das Welternährungsprogramm WFP jetzt auch noch eine Hungerkrise voraus.28.01.2026 | 0:54 min
Wahrnehmung der Umweltkrisen schwindet
Auch die Münchner Sicherheitskonferenz setzte das Thema letzte Woche auf ihre Agenda. Doch eine aktuelle Studie im Auftrag der Konferenz zeigt, dass die Wahrnehmung von Umweltrisiken in den meisten untersuchten Ländern zurückging.
Die Soziologin Anna-Katharina Hornidge beobachtet, dass die Themen im politischen Diskurs eher in die zweite Reihe gestellt werden. "Das ist aber natürlich auch sehr gefährlich", sagt die Co-Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Umweltfragen: "Es führt zu einer Fokussierung auf das Kurzfristige."
Die Folgen des Klimawandels sind schon heute für viele spürbar. Doch Studien belegen, dass Frauen und Mädchen mehr unter der Klimakrise leiden als Männer.10.11.2024 | 28:17 min
Weltwirtschaftsforum: Umweltkrisen bedrohen Sicherheit
Dabei stellen Umweltkrisen in den kommenden zehn Jahren die größten globalen Risiken dar, zeigt ein aktueller Bericht des Weltwirtschaftsforums.
Viele der Projektionen der Klimawissenschaft seien heute schon wahr geworden, sagt die Leiterin des Zentrums für Klima und Außenpolitik an der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Kira Vinke.
Die Beweislage für die Folgen des Klimawandels,
die negative Folgen auf Gesundheit, auf Migration, auf Konflikte, war eigentlich so deutlich wie noch nie.
die negative Folgen auf Gesundheit, auf Migration, auf Konflikte, war eigentlich so deutlich wie noch nie.
Kira Vinke, Zentrum für Klima- und Außenpolitik DGAP
Ersichtlich sei dies durch die schwerwiegenden Extremereignisse im vergangenen Jahr, durch die Migrationsbewegungen, die sich bereits jetzt vollziehen aufgrund von Stürmen, Dürren und Überflutungen. Bereits jetzt wirken sich die menschengemachten Veränderungen im Erdsystem konkret auf die Lebensgrundlagen aus, betont die Forscherin.
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