Dirk SpechtIm heute erschienenen „geladen“-Podcast ist meine Asien-Reise über Hormuz sowie insbesondere China Thema.
Ergänzend hatte ich gestern die Fünfjahrespläne, das Fundament der chinesischen Technokratie genauer erläutert.
In eben diesen Plänen können seit Dekaden sehr früh die kommenden Entwicklungen schlicht nachgelesen werden. Niemand muss sich überrascht zeigen.
Aus den jüngsten Plänen hatte ich für das Interview den Kohleausstieg, den EE-Ausbau und die Speicherplanung zitiert.
Kurzfassung:
China betreibt seit Ende Januar final gesetzlich geregelt
die Transformation vom Kohle- zum PV/Wind-Strom.
Bis 2060 wird das Land fast vollständig aus PV/Wind versorgt, Kohle geht in die Kaltreserve.
Die in Deutschland behaupteten Widersprüche zur Klimapolitik existieren nicht.
Das ist ein Gesamtpaket aus einer sehr aggressiven Wirtschafts- und Geopolitik, die Energiewende ist dafür ein wichtiger Baustein, also kein “Problemfall”, sondern ein “Zulieferer”.
Die Energietransformation, die bereits seit 10 Jahren mit wachsendem Tempo läuft, sieht vor, keine Kraftwerke abzubauen, sondern umbauen und als Kaltreserve vorzuhalten.
Schrittweise soll dazu im Tagesbetrieb ein automatisiertes Netz aus Wind/PV, Speichern und Leistungselektronik entstehen. Ein Netz, das sich selbst nach Sonne und Wind organisiert, komplett digitalisiert, komplett automatisiert, ohne Kraftwerksleistung.
Ein Netz, das wahlweise massiv überbaute PV und Wind-Leistung speichert oder abregelt (siehe da), das so schnell wie möglich die täglichen VRE Droughts meistert, was der bessere Begriff für so etwas wie “Dunkelflaute” ist.
Was ab 2060 an wenigen Extremtagen im Jahr passiert, bei uns als “Dunkelflaute” verstanden und die Debatte vergiftend, wird man sich in den kommenden Mehrjahresplänen immer genauer anschauen. Aber hysterisch wird deshalb sicher auch 2055 niemand – falls es dann nicht längst gelöst ist. Stand heute ist das ein Randthema und da gehört es auch hin!
Als Konsequenz wird PV/Wind massiv überbaut,
weiter mit 1 GW pro Tag,
Batterien werden zügig auf bis zu 600 GW hoch gezogen,
jedoch mit überraschend geringer Kapazität geplant,
weil man mehr gar nicht braucht.
Hinterlegt ist das mit der modernsten und aggressivsten Netzplanung, die es global gibt.
Daraus werden übrigens erneut mehrere Dutzend moderner Energietechnologien abgeleitet, in denen man Weltmarktführer werden will, teilweise schon ist.
Das ist insgesamt in allen wesentlichen strategischen und operativen Ebenen das genaue Gegenteil zu dem, was Deutschland plant - sowie übrigens auch, was in Deutschland über China behauptet wird.
Der ausführliche Bericht mit vielen Details hier und hier. Das zentrale Datenchart hier schon mal anbei. Man beachte: Fast 14.000 TWh Stunden Energie werden mit 8,5 TWh Energie aus Speichern hinterlegt. Ohne relevante Kraftwerksleistung!
Das ist die modernste und aggressivste Energieplanung weltweit!
Als Antwort auf eine Frage: Mein längerer Kommentar steht im Substack, daher hier mal die Kurzfsssung…
Zu: „Das ist also jener Plan, der in Deutschland als Utopie gilt. Zu teuer, technisch nicht machbar.“
Na ja, zu teuer könnte je nachdem wie man rechnet, erst mal gelten. Auf der anderen Seite wenn man dagegenrechnet was das „Nicht-Machen“ kostet relativiert sich das „Kosten“ sehr schnell.
Technisch nicht machbar… wenn mir jemand damit kommt habe ich nur eine Antwort: Bullshit… weil Siemens Energy hat und kann das, ABB ebenfalls. Nur mal die beiden herausgenommen. Und wir Ingenieure wissen auch wie es funktionieren kann…
Und Ihrer These, dass jedes Stromnetz weltweit, das in 10 Jahren nicht durch diese Technologien voll automatisiert betrieben wird, als museal gelten dürfte, kann ich nur unterstützen….
Das schlimme ist, wir haben in D alles Wissen und die Fachleute dazu. Die Frage ist daher für mich, wie kommen wir endlich ins Machen…. Weil, 10 Jahre sind schnell rum, wenn wir weiter eine Top-Nation auf der Welt sein wollen…
Im morgen erscheinenden "geladen"-Podcast durfte ich erneut von meiner Asienreise und insbesondere zu China berichten.
Anlass genug, das chinesische System der Fünfjahrespläne genauer zu beschreiben. Im Interview war das in der Tiefe nicht möglich.
Kurz zusammengefasst: China schreibt seit Jahrzehnten klipp und klar auf, was sie tun, warum sie es tun, wie sie es tun.
Mehr noch: Seit Jahrzehnten kommt das ein Jahrzehnt später genau so, wie es eines zuvor aufgeschrieben wurde. Das könnte man Evidenz nennen.
Ich frage mich angesichts des unterkomplexen wirren Zeugs, das ich in Deutschland zu China höre oder lese, ob dieses "free lunch" Angebot, das einfach mal nachzulesen, genutzt wird?
Ich habe die Genese dieser Pläne grob aufgeschrieben, um zu zeigen, was das für einen roten Faden hat, wie sich das strategisch entwickelt und auch ausgezahlt hat. Zudem: Was sagt der aktuelle Plan aus 03/26, denn der hat es in sich. Erstmals stehen Autarkie und globale Dominanz in Schlüsselindustrien VOR Wirtschaftswachstum. Es ist der erste Plan, bei dem Wirtschaftswachstum nicht mehr Priorität hat.
Gerne im Detail auch mal nachlesen, wie China den angeblichen "Konflikt" zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Zielen gelöst hat: Durch die Strategie, dass der zu lösen ist, indem man schlicht beides zugleich anstrebt - und auch erreicht. Oder als "nettes" Bonmot zum Schluss, dass dieses für viele noch als Heer von Billiglöhnern behauptete Land zur Lösung der demografischen Herausforderungen Automatisierung und Abkehr von Arbeit als Wirtschaftsgrundlage plant.
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