Montag, 29. Juni 2026

Podcast: Deutschlandfunk hat mich zum Infrastruktur-Zukunfts-Gesetz befragt



Kai Niebert /Dt. Naturschutzring / LinkedIn

Deutschlandfunk hat mich zum Infrastruktur-Zukunfts-Gesetz befragt.


Und Überraschung: Ich bin nicht dagegen, schneller zu werden, denn auch ich scheitere regelmäßig an maroder Bahninfrastruktur und zerbröselnden Brücken. …Aber man kann sich schon fragen, ob es eine Priorisierung auch für Flughafenneubauten und den Ausbau vierspuriger Straßen braucht... [Nein!]

Das Problem ist jedoch, dass bisher nur die Hälfte der Infrastruktur beschleunigt wird. Neben technischer Infrastruktur müssen wir nämlich auch die natürliche Infrastruktur sanieren. Deswegen ist es so dramatisch, dass das Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur nach wie vor im Warteraum sitzt. Gerade das letzte Wochenende hat gezeigt: Ein Baum ist bei 40 Grad keine Deko. Er ist Infrastruktur mit Blättern — und entsiegelte Grünflächen sind Starkregenschutz.



Podcast im Deutschlandfunk hier
Grunwald, Maria | 26. Juni 2026,

Nachhaltigkeitsforscher: Naturschutz wird zurechtgestutzt

Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz will die Bundesregierung den Bau neuer Autobahnen sowie Schienen- und Wasserwege beschleunigen. Kai Niebert vom Deutscher Naturschutzring befürchtet, dass Ausgleichsmaßnahmen für die Umwelt bald ins Stocken geraten.



Kai Niebert / LinkedIn

Asphalt auf die Überholspur, natürliche Infrastruktur ins Wartezimmer?

Die Koalition will das Infrastruktur-Zukunftsgesetz (IZG) am Freitag beschließen  – und sogar noch um vierspurige Straßen erweitern. Gleichzeitig wartet das Gesetz, das die dafür notwendige Sicherung der natürlichen Infrastruktur ermöglichen soll, weiter auf die Kabinettsbefassung. Das ist politisch nicht nur schief. Das ist fahrlässig.

Denn mit dem IZG wird der Bau neuer Autobahnen, vierspuriger Straßen, Flughäfen und Lkw-Parkplätze beschleunigt. Der Schutz von Trinkwasser, natürlichem Hochwasserschutz und Hitzeschutz durch Wälder, Auen und Böden wird dagegen auf „kommt vielleicht auch noch“ vertagt.

Mal ehrlich: Das ist, als würde man die Sprinkleranlage abklemmen, weil man Platz für einen größeren Kamin braucht.

Wer Beschleunigung ernst meint, muss graue und grüne Infrastruktur zusammendenken. Ersatzgeld heute beschließen, aber die Möglichkeiten zu verzögern, es wirksam in natürliche Schutzinfrastruktur zu investieren, ist kein Zukunftsprogramm. Es ist ein organisierter Zielkonflikt.

Die Union ist gerade dabei, die SPD über den Tisch zu ziehen – und mit ihr gleich unsere Lebensgrundlagen. Jetzt muss Vizekanzler Lars Klingbeil zeigen, dass er weder seine Partei noch Trinkwasser, Hochwasser- und Hitzeschutz preisgibt. Die Union muss an die getroffenen Absprachen der – sinnvollen – Verknüpfung  beider Vorhaben gebunden werden.
Wohlstand schützt man nicht mit Beton allein, sondern auch mit den Ökosystemleistungen, die unser Land bewohnbar und wirtschaftlich stabil halten.


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