Focus hier Vera Stary Dienstag, 17.03.2026
Der Solar-Rekord, mit dem Pakistan jetzt Milliarden spart
Pakistans Solarboom auf den Dächern senkt Stromkosten und spart Milliarden an Öl- und Gasimporten. Dezentral erzeugter Solarstrom wird zum stillen Schutzschild gegen Energiekrisen durch den Iran-Krieg.
Als Shafqat Hussains Mutter während eines 28-stündigen Stromausfalls mitten in einer Hitzewelle fast starb, handelte er. Er ließ Solarpaneele auf sein Hausdach in Islamabad montieren. Stromausfälle gibt es seither nicht mehr. Die Stromrechnung seiner Familie sank um 80 Prozent.
Was Hussain für seine Familie entschied, entschieden auch Millionen Pakistaner für sich. Das Ergebnis ist eine der bemerkenswertesten Solar-Booms der Welt. Jetzt erweist der sich als eine Versicherung gegen die geopolitischen Energie-Schocks aus dem Nahen Osten.
Denn: Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl- und Gasexporte, ist seit Beginn der jüngsten Konflikte nahezu blockiert. Geopolitik-Experten wie Klemens Fischer warnen: Die Blockade könnte noch längere Zeit anhalten, was die Preise für Öl und Gas weltweit hoch hält. Pakistan war für genau diesen Fall vorbereitet – nicht mit staatlichen Programmen, sondern durch einen massiven Ausbau von privaten Solaranlagen, die das Land resilient gegen Lieferengpässe machen.
Pakistan macht sich unabhängiger von Gasimporten
Pakistans Solar-Boom zahlt sich genau jetzt aus. Das zeigen neue Daten des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und des Analysehauses Renewables First: Bis Februar 2026 hat Pakistan mehr als zwölf Milliarden US-Dollar an Öl- und Gasimporten vermieden, die ohne den Solarboom sonst nötig gewesen wären. Bis Ende 2026 könnten weitere 6,3 Milliarden Dollar Einsparungen durch die höheren Energiepreise hinzukommen.
Pakistan gehörte noch 2024 zu den Ländern mit der höchsten Abhängigkeit von Hormus-Transporten: Weltweit rangierte das Land auf Platz drei beim Anteil von LNG-Importen, die durch die Straße von Hormus transportiert werden und auf Platz fünf bei Öl.
Eine Revolution von unten
Was Pakistans schnelle Energiewende so ungewöhnlich macht: Der Boom entstand nicht durch staatliche Planung, sondern durch Marktkräfte. Das pakistanische Stromnetz ist chronisch unzuverlässig, geprägt von schlechter Infrastruktur und stundenlangen Ausfällen, sogenanntem "Load Shedding".
Im Report "The Great Solar Rush in Pakistan" von Renewables erklärt der pakistanische Solarexperte Muhammad Mustafa Amjad zudem, dass in den vergangenen Jahren die Strompreise um rund 155 Prozent gestiegen seien – viele Haushalte zahlten mehr für Elektrizität als für ihre Miete.
Null Steuern, billige Solarmodule
Wie kam es also zur Wende? Von 2013 bis Mitte 2025 galten in Pakistan null Prozent Steuern auf importierte Solarmodule. Als dann chinesische Solarmodule so billig wurden, dass sich eine Investition innerhalb weniger Jahre amortisierte, war der Durchbruch unaufhaltsam.
Daten von "Renewables First" zeigen: Von weniger als einem Gigawatt importierter Solarkapazität im Jahr 2018 stieg die Zahl auf über 51 Gigawatt bis November 2025. Allein 2024 erhöhte Pakistan seine Solarkapazität schätzungsweise um 17 Gigawatt. Dave Jones vom Londoner Energieanalyse-Institut Ember bezeichnete diesen Ausbau als "wahrscheinlich den extremsten, der jemals in einem Land in dieser Geschwindigkeit stattgefunden hat".
Angesichts der Eskalation rund um die Straße von Hormus erweisen sich diese Paneele jetzt als eine der wirkungsvollsten Energiesicherheits-Strategien, die das Land je hatte.
Die nächste Welle: Batterien
Doch noch ist der Schutz nicht vollständig. Solarmodule erzeugen tagsüber Strom – nachts sind viele Haushalte weiterhin auf das Netz oder auf Diesel-Generatoren angewiesen. Die nächste technologische Welle könnte das ändern. Batteriespeicher werden laut Experten in den kommenden Jahren ähnlich drastische Preissenkungen erleben wie zuvor die Solarmodule.
Wenn Batterien in Pakistan ähnlich günstig verfügbar sind wie heute die Solarmodule, wäre die Energie-Unabhängigkeit sowie geopolitische Resilienz des Landes noch deutlich größer.
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