Jan Schmirmund , LinkedIn
Zum Beispiel gestern (17.08.) im Deutschlandfunk Klaus Wiener MdB: Angesprochen auf die Frage, was denn die Union in den letzten Jahren für den Klimaschutz getan hat und warum der Herr Bundeskanzler zu dem Thema lautstark schweigt, musste der gute Mann, tatsächlich auf, Achtung: Klaus Töpfer und Angela Merkel zurückgreifen. Da bin ich fast vom Stuhl gefallen.
Dann, etwas später: Ein Ortsbürgermeister berichtet von einem Windkraftprojekt, das sie lokal von den Bürger:innen und den Kommunen vorbereiten (ein Millionenbetrag ist schon in die Planung geflossen und sie sind in der Endphase), das extrem hohe Akzeptanz vor Ort hat, vor allem, weil die Erträge eben auch dort bleiben.
Laut dem Anrufer ist dieses Projekt, dank Frau Reiche, nicht mehr wirtschaftlich (Stichwort Redispatch): "können Sie sich vorstellen, wie groß hier der Frust ist? (...)Das versteht hier kein Mensch mehr"). Da hat der Herr Wiener das erst in den höchsten Tönen gelobt (sinngemäß: "Das ist super, viel Erfolg Ihnen, ich bin selbst in einem Bürgerenergieprojekt Mitglied") und dann hat er behauptet, dass Redispatch solche Projekte überhaupt nicht abwürgen würde. Als der Bürger daraufhin vehement widersprach und sagte, dass sein Projekt durch Redispatch finanziell tot sei, kam dann "Wir müssen uns auch mal dran gewöhnen, dass die Renditen bei erneuerbaren einfach nicht mehr so hoch sind wie früher". Zack, dann kamen die Nachrichten.
Nachzuhören in Deutschlandfunk Kontrovers 17.8. erste halbe Stunde grob ab Minute 25. Lohnt sich.
Heute Morgen dann Mark Helfrich ab 7:15 auch im DLF.
Es war zum Fremdschämen, wie er ganz offensichtlich versucht hat, bloß nicht Klimakrise oder Dürre zu sagen und das Thema bloss nicht groß zu machen (weil wir ja wissen, dass die Union weiß, dass das nur den Grünen nutzen würde). So peinlich.
Wenn man was Positives daran finden will:
Man kann gerade viel lernen über das Handwerk des rhetorischen Ausweichens.
Auch wenn es nicht wirklich gut klappt. Immerhin.
Kommentar Julia Bönnighausen
Natürlich hat das wichtige Thema "Klimawandel" eine lange Vorgeschichte - manche sprechen nachhaltig von "Wetter" und "fake news" , andere haben sicherlich gehofft, dass es gerade Europa nicht in dieser Form treffen wird. Nachdem spätestens jetzt -durch das persönliche Erleben- deutlich wird, dass wir es mit einem Klimawandel zu tun haben, der erhebliche menschliche und wirtschaftliche Folgen bewirkt, erwarte ich, dass sich alle Parteien an einem Aktionsplan beteiligen, der abgestimmte wirksame Maßnahmen beinhaltet. Diesmal bitte nur zielorientiert für die Menschen in unserem Land und ganz ohne die Interessen von Lobbys. Dazu gehört auch fehlerhafte Wahrnehmungen im Vorfeld zu bekennen - dann benötigen wir auch keine Schuldzuweisungen, die uns nur bei der Lösungsfindung behindern. Ich bin ausdrücklich kein Mitglied einer Partei, glaube aber nicht, dass die Haltung von Frau Reiche bei der Umsetzung hilfreich sein wird.
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