Mittwoch, 5. August 2026

Wo bleiben die Bauern-Proteste fürs Klima? Aktuell ist kein Traktor in Sicht

  Dr. Martin Bethke

Deutschlands Landwirte sind für subventionierten Agrardiesel auf die Straße gegangen. Aber wenn es um Klimaschutz geht, hört und sieht man von ihnen nichts. 

Was war das für ein Alarm im Winter 2023/24 auf deutschen Straßen und in den Medien: wochenlange Traktorblockaden gegen die Streichung der Agrardiesel-Rückvergütung. Die Aktivisten der Letzten Generation wirkten dagegen wie Anfänger und Protest-Praktikanten, die erst mal von den Großen was lernen müssen.

Und jetzt im Sommer 2026 kämpft Deutschland mit der vierten Hitzewelle, während Die Bundesregierung die Klimaschutzgesetzgebung schleift, über "Hocheffiziente Verbrenner" schwafelt und von Kernfusion träumt. Gleichzeitig bricht die deutsche Getreideernte um rund 1,4 Millionen Tonnen und rund 230 Millionen Euro ein.

Die Agrarbranche weiß selbst, daß ab 27 Grad Qualitätseinbußen und kleinere Körner die Folge sind. Von Trockenheit, Extremwetterlagen und Hagelschäden mal ganz abgesehen. Selbst agrarheute, das Fachmedium der Landwirtschaft, fragt in eigener Sache: Wo bleiben die Bauern-Proteste fürs Klima?

Kein Wirtschaftszweig hängt so unmittelbar an einem stabilen Klima, wie die Landwirtschaft. Also, wo sind die Bauernproteste für mehr Klimaschutz? Aktuell ist kein Traktor in Sicht.


Agrar heute  hier Kommentar Peter Laufmann  am 30.07.2026 

Landwirte sind erste Opfer der Hitze: Wo bleiben die Bauern-Proteste fürs Klima?

Ernteausfälle, Waldbrände und eine Hitzewelle nach der anderen; Landwirte zählen zu den ersten Opfern des Rekordsommers. Zeit, dass sie ihre Stimme erheben. Nein, es ist kein schönes Wetter. Die vierte Hitzewelle des Jahres mit einem Schulterzucken und einem lässigen „früher war auch warm“ abzutun, ist mit viel gutem Willen als unzureichend informiert abzutun.

In dieser Intensität und Dauer sind die Temperaturen Ausdruck einer sich erhitzenden Erde, des Klimawandels. Oder besser: der Klimakrise.


Landwirte sollten sich auf Teufel komm raus an die Spitze der Klimaschutz-Aktivisten stellen.
Klar, Klimaschutz geht alle an, aber für Landwirte bedroht er bereits ganz aktuell ihre Existenz


Hitzewellen mit Rekordtemperaturen

Für alle spürbar und sichtbar sind Trockenheit und hohe Temperaturen. Der Mai war bereits rekordwarm. Der Juni hat dann alles getoppt. „Die Hitzewelle vom Juni 2026 war eine der extremsten und außergewöhnlichsten, die jemals in Europa beobachtet wurde“, sagt Susanna Mohr vom Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology. 41,8 Grad erreichte das Thermometer in Sachsen-Anhalt.

Zur Erinnerung: Dort will eine Partei Regierungsverantwortung übernehmen, die Klimaschutz für Mumpitz hält. Bis 1990 waren vier Hitzetage normal. Das meint Temperaturen über 30 Grad. Ab 2010 sind es schon elf, 2018 waren es 20 Hitzetage. Die Bayerische Staatsregierung meldet allein für den Juni 2026 zwölf bis 15 Hitzetage.

Regenmangel trifft auf hohe Verdunstung aus Böden

Es ist eben nicht mit ein wenig mehr Trinken, einem Sonnenschirm und einem Eiswürfel im Dekolleté getan. Zu den hohen Temperaturen kommt ein Niederschlagsdefizit. Bereits der Winter brachte mit rund 135 Litern pro Quadratmeter nur etwa 75 % des langjährigen Niederschlagsmittelwerts. Bundesweit fielen im Frühling nur etwa 126 Liter pro Quadratmeter, das entspricht 68 bis 70 % des Normalwerts. Auch der Juni lag mit rund 66 Litern pro Quadratmeter unter dem vieljährigen Mittel von 85 Litern. Mancherorts gab es dennoch Starkregen und ein paar Kilometer weiter fiel gar kein einziger Tropfen. 

Nicht allein der Regenmangel, sondern die durch den Klimawandel verstärkte Verdunstung treibt die Trockenheit. Das Risiko einer Dürre ist heute in Westeuropa etwa fünfmal, in Osteuropa etwa elfmal höher als vor der Industrialisierung.

Alle Arten Landwirtschaft von Klimakrise betroffen

Konkret schlagen Bauernverbände im ganzen Land Alarm.
  • Sichtbare Schäden gibt es bei Mais, Zuckerrüben, Körnererbsen, Ackerbohnen und Winterweizen.
  • Auch Grünland wächst schlecht, wodurch Futter knapp werden könnte.
  • Hinzukommen Unwetter. Aus Mecklenburg-Vorpommern hieß es, ein Hagel Anfang Juli habe 29 Mio. Euro Schäden verursacht.
  • Und nicht nur Ackerbauern sind betroffen: So geben Hochleistungskühe bereits ab 20 bis 25 Grad weniger Milch – Hitzestress. 
Daneben kommen natürlich die anderen, weniger direkten Folgen: Wenn die Infrastruktur durch verbogene Schienen, trockene Flüsse, aufgeplatzte Straßen nicht mehr mitspielt, haben auch Landwirte das Nachsehen. Und schließlich ist es ihre Gesundheit; wer draußen arbeitet, dem sollte die Hitze nicht egal sein.

Landwirte haben drei Optionen: jammern, fordern, handeln
Was also tun?

Landwirte haben mindestens drei Möglichkeiten: 

  • Ernteeinbußen beklagen und staatliche Hilfen bei Bewässerung und Ausfällen fordern. 
  • Sie können sich anpassen durch hitzetolerantere Kulturen und Sorten, durch Klimaanlagen für Kühe und einen größeren Sonnenhut. 
  • Und sie können sich an die Spitze derer stellen, denen der Kampf gegen den Klimawandel ein Anliegen ist. 
Landwirte sind schließlich auch Profis im Protest. Die Verve, mit der sie für ihre Rechte kämpfen, wäre auch beim Einfordern besseren Klimaschutzes angesagt. Unterm Strich ist es der Mix aus allen drei Möglichkeiten. Davor kommt die Einsicht und das Anerkennen, dass der Klimawandel real und längst da ist. Schulterzucken können sich Landwirte nicht mehr leisten.

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