Montag, 23. August 2021

"Ravensburger Klimaaktivist klettert aufs Brandenburger Tor"

 Schwäbische Zeitung von Lena Müssigmann

Sechs Klimaaktivisten sind in Berlin auf das Brandenburger Tor geklettert. Ganz oben stand dabei am Freitag der Ravensburger Baumbesetzer Samuel Bosch, wie auf Bildern zu sehen ist und von ihm selbst auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt wurde.


..Der inzwischen 18-jährige Bosch, der aktuell im Baumhauscamp im Altdorfer Wald lebt, indes wehrt sich gegen die „Kriminalisierung“ seiner Aktionen. Bosch will Besetzung als friedlichen Ungehorsam verstanden wissen.

Vor einem dreiviertel Jahr hat Bosch begonnen, mit der Besetzung eines Baums in Ravensburg auf die Forderungen seiner Generation nach wirkungsvollen Schritten gegen die Klimaerhitzung aufmerksam zu machen. Seither ist er schon auf weitere Bäume in Ravensburg geklettert, auf das Dach des Regionalverbandes in Ravensburg – und nun mit anderen Aktivisten, von denen auch schon welche zeitweise im Altdorfer Wald waren, auf das Brandenburger Tor.

Die Besetzung fand während der Aktionswoche „August Rise up“ in Berlin statt – Ankündigungsplakate dafür waren in Ravensburg auf Wahlplakate unter anderem von Grünen und CDU geklebt worden, woraufhin die Polizei Ermittlungen wegen Sachbeschädigung einleitete.
Bosch ist zu der Veranstaltungwoche nach Berlin gefahren, hinter der unter anderem die Organisation Extinction Rebellion steckt – die macht nach eigenen Angaben „mit friedlichem Ungehorsam auf den drohenden Klimakollaps und das massive Artensterben aufmerksam“. Genau so will Bosch seine Beteiligung daran auch verstanden wissen.

Über die rund vierstündige Besetzung des Brandenburger Tors sagte Bosch am Sonntag: „Wir sind sehr zufrieden mit der Aktion, weil wir viel Wirkung erzielt haben.“ Und: „Wir wehren uns dagegen, dass unsere Aktionen kriminalisiert werden.“ Aus seiner Sicht ist es ein legitimes Anliegen, „die Politik an ihre Ziele zu erinnern“. Dass sie mit ihrer Besetzung Gesetze überschreiten, war Samuel Bosch und den anderen Aktivisten klar. Man habe im Voraus mit anwaltlicher Unterstützung geklärt, was auf die Aktivisten zukommen könnte. Im aktuellen Fall lautet der Vorwurf nach Boschs Angaben Hausfriedensbruch.

...Dass er sich nicht einmal ein halbes Jahr nach seiner ersten Baumbesetzung in Ravensburg bei Aktionen in Berlin beteiligen wird, habe er „nie gedacht“. „Es ist krass, wie die Szene und die Klimabewegung vernetzt ist und sich bei Aktionen unterstützt“, sagte Bosch.

Eine Radikalisierung seines Klimaprotestes kann er aber nicht erkennen. Die Inhalte, für die er sich einsetze, seien von Anbeginn dieselben. „Um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen, mache ich jetzt halt so was“, so Bosch. Durch die Aktionen wolle er das Thema Klimaschutz auf der Agenda nach oben rücken. „Denn das setzt die Politik unter Druck“, so seine Meinung.


Montag, 16. August 2021

Nach dem Leugnen

Der Klimaforscher Michael Mann entlarvt die Methoden, mit denen Klimaschutzverzögerer heute ihre monetären Interessen zu Lasten des Planeten wahren.

 hier  Spektrum der Wissenschaft  von Björn Lohmann


Michael E. Mann

Propagandaschlacht ums Klima

Wie wir die Anstifter klimapolitischer Untätigkeit besiegen

Verlag: Solare Zukunft, Erlangen 2021

ISBN: 9783933634481 | Preis: 29,00 €

 

»Krieg«, »mächtiges Arsenal«, »gewaltige Waffen«, »Front« und der »Kampf um den Planeten« – im jüngsten Buch von Michael Mann, einem der renommiertesten und engagiertesten Klimaforschenden weltweit, geht es martialisch zu. »Propagandaschlacht ums Klima« heißt das umfangreiche Sachbuch, im Englischen sogar »The New Climate War«. Das wirkt auf den ersten Blick übertrieben, doch nach der Lektüre fallen die Vorbehalte gegen diese Wortwahl deutlich schwächer aus. Der deutsche wie der englische Titel beschreiben zusammen genau, worum es im Buch geht. Oder mit den Worten des US-Autors: »Die Klimaschutzverhinderer wurden gezwungen, sich von der ›harten‹ Klimaleugnung auf eine ›weichere‹ Leugnung zurückzuziehen: herunterspielen, ablenken, spalten, verzögern und Verzweiflung schüren.« Wolle man dagegen antreten, müsse man die Strategien entlarven und überwinden.

Von Opferrolle keine Spur

Als Urheber der berühmten »Hockeystick-Kurve«, die den Verlauf der CO2-Konzentration in der Atmosphäre beschreibt, ist Mann seit mehr als zwei Jahrzehnten eines der Hauptziele jener Kräfte, die sich gegen angemessene Reaktionen auf die Klimakrise wehren. So kann der Autor zahlreiche Beispiele aus eigener Erfahrung beisteuern. Dabei beschreibt er die Methoden, die durch fossile Brennstoffe reich gewordene Menschen gegen Personen aus Wissenschaft, Politik und Aktivismus anwenden, wenn diese naturwissenschaftliche Fakten betonen und konsequentes Handeln fordern.

Man könnte nun befürchten, die »Opferrolle« des Autors habe zu einem unsachlichen oder polemischen Werk geführt. Doch Mann führt weit mehr als die eigenen Erfahrungen aus, und fast immer sind seine Aussagen durch öffentlich zugängliche Quellen belegt.

Wer »Die Machiavellis der Wissenschaft« von Erik M. Conway und Naomi Oreskes gelesen hat, wird im ersten Teil des Buchs manches wiedererkennen: Mann zeigt zunächst die Parallelen auf, wie die teils gleichen Personen und Organisationen, die früher die Gefahren des Rauchens, des sauren Regens, des Ozonlochs und manches mehr heruntergespielt haben, heute den Klimaschutz sabotieren.

Dabei präsentiert der Autor meist knapp und gut belegt die Fakten zu einem klimawissenschaftlichen Sachverhalt und entkräftet falsche Argumente und Behauptungen. Viel wichtiger aber: Danach setzt er sich mit den Methoden der jeweiligen Angriffe und den dahintersteckenden Personen auseinander.

Das ist nicht nur spannend wie ein Krimi, sondern man lernt bei der Lektüre Schritt für Schritt, wie Manipulationen der öffentlichen Debatte die Wahrnehmung der Klimakrise verfälschen und dringende Maßnahmen verzögern. Darin liegt die erste große Leistung Manns: Wem diese Muster bewusst sind, ist immun dagegen. Die zweite große Leistung, bei welcher der Autor oft die Arbeit investigativer Journalistinnen und Journalisten zitiert, ist die Bloßstellung jener Kräfte, die im Hintergrund die Propagandaangriffe finanzieren und koordinieren.

So zeigt Mann, wie man konservative Kräfte einerseits durch Verharmlosung davon abhält, aktiv zu werden, und gleichzeitig Klimaschützende durch Übertreibung der Folgen der Klimakrise dazu bringen möchte, zu resignieren und inaktiv zu werden. An anderer Stelle verspricht man Scheinlösungen wie Wasserstoff, CO2-Speicherung (CCS) oder Geoengineering, wodurch man vor allem Liberale dazu verleitet, vorhandene Lösungen wie die erneuerbaren Energien zu ignorieren und auf Innovationen und scheinbare Marktmechanismen zu setzen, die viel zu spät greifen würden: »Wenn wir eine Erwärmung jenseits der kritischen Grenze von 1,5 Grad Celsius abwenden wollen, haben wir nur noch ein Jahrzehnt Zeit, um die globalen CO2-Emissionen um den Faktor zwei zu reduzieren. Das ist eine sehr kurze Brücke«, schreibt Mann unter Anspielung auf Propagandisten von Brückentechnologien.

Ganz besonders betont der Autor die Motive der Ablenkung und der Teilung: Er belegt, wie die Feinde des Klimaschutzes Forderungen nach individuellen Verhaltensänderungen unterstützen. »Der Ölkonzern BP propagierte Mitte der 2000er Jahre das Konzept eines ›persönlichen CO2-Fußabdrucks‹.« Denn solange nur Minderheiten Konsequenzen umsetzen, können die fossilen Industrien ihr Geschäft rentabel fortführen – anders, als wenn starke politische Mehrheiten Änderungen am System fordern würden: »Die Wahlfreiheit von Verbrauchern führt nicht zum Bau von Hochgeschwindigkeitszügen, zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung im Bereich erneuerbarer Energien oder zur Festsetzung einer CO2-Steuer.« Obendrein entstehe so Streit in der Klimaschutzgemeinschaft darüber, welcher Weg richtig sei, und Vordenkende könnten so diskreditiert werden, weil sie nicht in allen Aspekten konsequent handeln.

Milliardäre, die mit Rufmordkampagnen einflussreiche Forschende und progressive Politikerinnen und Politiker angreifen, Troll- und Bot-Armeen, die Kinder und Jugendliche schikanieren und bedrohen, gekaufte Lobbyisten in Politik und Wissenschaft, millionenschwere Kampagnen, um Falschinformationen zu verbreiten und die Gesellschaft zu spalten – teils mit Hilfe des eigenen Medienimperiums: Die erschreckende Faktensammlung in »Propagandaschlacht ums Klima« lässt keinen Zweifel daran, dass wir uns in einem »neuen Kampf ums Klima« befinden, wie es im Original heißt. Vielleicht sind der beachtliche Umfang des Buches und die Vielzahl an Beispielen erforderlich, um zu begreifen, dass eine kleine, schwerreiche Gruppe einen Krieg gegen den Rest der Menschheit führt. Manns jüngstes Werk kann dabei helfen, die Angriffe abzuwehren und optimistisch zu bleiben.

Die Eltern sind noch längst nicht wütend genug

Spiegel Wissenschaft hier

Bericht des Weltklimarates

Eine Kolumne von Christian Stöcker
Der am Montag veröffentlichte Bericht des Weltklimarates ist ein Alarmruf, der kaum lauter hätte ausfallen können. Die Reaktionen aber sind seltsam verhalten.
Viele Eltern scheinen zu verdrängen, was der Bericht für ihre Kinder bedeutet.
Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Sie brutzeln sich gerade etwas zum Abendessen, als das Telefon klingelt. Sie lassen die Pfanne mit dem heißen Fett kurz allein, schließen die Küchentür und nehmen ab. Als das Gespräch endet, sehen Sie, dass Rauch unter der Küchentür hervorquillt. Sie öffnen die Tür einen Spalt: Die Arbeitsplatte rund um ihren Herd steht in Flammen. Die Küche ist voller Qualm, das Feuer breitet sich schnell aus. Sie schließen die Tür hastig wieder. Ihre Kinder sind in ihren Zimmern.

 Tagesspiegel  hier

Klimaziel verfehlt Deutschland stößt voraussichtlich 47 Millionen Tonnen mehr Treibhausgase aus

Einer Studie zufolge nimmt der Ausstoß an Treibhausgasen dieses Jahr in Deutschland kräftig zu. Es ist der höchste Anstieg seit 1990.


Donnerstag, 12. August 2021

Wahlkampf-Begegnungen

Die Grüne Ortsgruppe gibt Folgendes bekannt:

Vergangenen Freitag haben wir uns in sehr netter Runde auf den Wahlkampf eingestimmt und Material verteilt. Natürlich waren auch noch ein paar politische Wunden zu lecken, aber wir waren gleichzeitig auch sehr zuversichtlich, dass erst jetzt das Rennen wirklich los geht.

Zwei Zitate von Anwesenden (sinngemäß): 

Die Jüngste: "Ich darf leider noch nicht wählen. Deshalb will ich mich wenigstens im Wahlkampf engagieren."

Einer der Älteren am Tisch: "Wenn wir jetzt keine Grüne Kanzlerin bekommen, werden uns unsere Kinder in 20 Jahren das vorwerfen, wieso wir das  zugelassen haben. Wo alle Fakten klar sind. Und Sie werden nicht verstehen. dass es an einem Fehler im Lebenslauf gelegen haben soll."

 

Nicht nur Annalena und Robert sind im Doppelpack auf Wahlkampftour. Auch unsere Direktkandidatin Maria hat jetzt jeden Tag was auf dem Zettel. 

Schaut mal hier: https://maria-heubuch.de/termine/


In Salem wird Maria  heute  sein und die Markgräfliche Landwirtschaft sowie Frida Frisch besuchen. Klar ist auch, dass sie am 3. September mit uns auf dem Wochenmarkt sein wird. 


Politpromialarm wird es in der Region auch noch geben: 

  • Am 31. August wird Cem Özdemir in Friedrichshafen sein.
  • Am 8. September  ist Toni Hofreiter bei VAUDE in Tettnang und
  • am 9./10. September ist Robert Habeck in der Nähe (Ravensburg: 9.09., 18:30-20:00 Uhr, Marienplatz / Vor dem Blaserturm,  Konstanz: 10.09., 12:00-13:30 Uhr, Stadtgarten, , )

 


Mittwoch, 11. August 2021

"Planet und seine Bewohner schweben in Lebensgefahr"



Schulze zu Weltklimarat-Bericht  auf N-TV  
hier

Luisa Neubauer malt ein düsteres Bild der Klima-Zukunft

 hier

FRIDAYS FOR FUTURE / WELT Interview

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat die Politik angesichts des neuen Berichts des Weltklimarats aufgefordert, das fossile Zeitalter schnell und radikal zu beenden. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag: «Es ist ein Menschheitsmoment. Der Weltklimarat ist deutlich: Wir können noch immer die schlimmsten Katastrophen verhindern und das Klima langfristig bei etwa 1,5 Grad stabilisieren.»

Regierungen müssten mit dem verantwortungslosen Befeuern der Klimakrise aufhören, und schnell und radikal das fossile Zeitalter beenden, sagte die prominente Fridays-for-Future-Aktivistin. «Das wird nur passieren, wenn Menschen überall Druck aufbauen», sagte Neubauer. «Wir müssen jetzt mutig sein, die Welt steht auf der Kippe.» Carla Reemtsma, ebenfalls von Fridays for Future, hatte der dpa vor kurzem gesagt, keines der Programme der etablierten Parteien für die Bundestagswahl Ende September reiche aus, um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten und einen gerechten Beitrag Deutschlands dazu zu leisten. «Wir müssen aufhören, fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu subventionieren. Wir müssen sofort raus aus neuen fossilen Projekten: Keine neuen Pipelines, keine neuen Gaskraftwerke, keine neuen Autobahnen, Kohleausstieg bis spätestens 2030.» Der Kohleausstieg in Deutschland ist bisher bis spätestens 2038 geplant.





"Warnsysteme auf dem Prüfstand"

 06.08.2021  |  von Lena Reiner friedrichshafen.redaktion@suedkurier.de  hier

Angesichts der Zunahme von Extremwetterlagen rückt das Thema Warnung im Katastrophenfall derzeit wieder in den Fokus. Im vergangenen Jahr zeigte sich beim Warntag im Bodenseekreis, dass viele Gemeinden entweder keine Sirenen haben oder diese nicht mehr aktivierbar sind. Auch blieb unklar, wie mit den vorhandenen Sirenen unterschiedliche Signale für unterschiedliche Arten von Katastrophenfällen abgespielt werden könnten. Auch die Warn-App Nina, die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zur Verfügung gestellt wird, warnte nicht zuverlässig.....

Wie würde aktuell eine Warnung im Katastrophenfall im Bodenseekreis ablaufen? „Derzeit stehen nur noch vereinzelt ehemalige Sirenen im Kreisgebiet, welche noch primär für die Alarmierung der Feuerwehren genutzt werden. Die Warnung der Bevölkerung läuft auf mehreren Wegen, zum einen App-basiert über Nina, zum anderen über soziale Medien, Radio und Rundfunk“, schildert Larisch.

Darüber hinaus würden ergänzend die offiziellen Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes im Landkreis automatisiert über die Integrierte Leitstelle an die Kommunen und Feuerwehren zeitnah versandt. Nicht zu vergessen sei die kommunale Möglichkeit, über Lautsprecher – beispielsweise Fahrzeuge der Feuerwehr oder Polizei – Durchsagen zu tätigen. Und zu guter Letzt sei auch die persönliche Verpflichtung zu erwähnen: „Wer in Kenntnis solcher Warnmeldungen gelangt, sollte auch an Nachbarn, Bekannte oder Verwandte und ältere Mitmenschen denken.“

Dienstag, 10. August 2021

Zum Gedenken an Karin Burger / SatireSenf

Zum Gedenken (von der SatireSenf Seite)

Mit dem letzten Eintrag vom 12. Mai 2021 endet der Blog SatireSenf.
Die angekündigte Bombe wird hier nicht mehr platzen können, denn wenige Tage später – mitten in weiteren Recherchen zu ihren Themen – erleidet Karin Burger einen Schlaganfall.
Am 8. Juli 2021 stirbt die Journalistin, Linguistin und Bloggerin Karin Burger.

Karin Burger 1958 – 2021

Wir gedenken einer mutigen Journalistin, die unerbittlich für die Werte der Demokratie eintrat, für die Einhaltung der geltenden Gesetze durch Funktionsträger, für die Würde der Benachteiligten in unserer Gesellschaft, für Transparenz in der Politik.
Ein Vorbild für Journalistinnen und Journalisten, die die „Vierte Gewalt“ aufrecht erhalten wollen, die unabhängigen und investigativen Journalismus dem angepassten, unkritischen Verlautbarungsjournalismus vorziehen.


Sie wird fehlen.


Karin Burger war im Umgang nicht immer einfach und nicht sehr geduldig, wenn es um Blog-Einträge und Aktivisten ging. Wie oft hat sie mich/ uns auf Fehler hingewiesen und etwas bemängelt!

Aber ihr Herz schlug immer mit uns und unserem Anliegen für Klimaschutz und Demokratie-Erhalt, sie wollte uns immer vorwärts bringen mit ihren Hinweisen. Und wie oft habe ich mich köstlich amüsiert über ihre tiefgründigen Berichte !

Leider kann man die Berichte ihres Blogs nicht mehr abrufen. Schade, es gab so viel Lesenswertes darin!
Ein paar der Berichte habe ich gespeichert und werde Sie nun nach und nach in diesem Blog einpflegen, damit sie nicht ganz verloren gehen.

Auch mir fehlt sie!

Montag, 9. August 2021

"Besser keine Einfamilienhäuser" - noch ein Paukenschlag!

 Süddeutsche Zeitung  hier unter der Rubrik "Wirtschaft" von Lars Langenau

Wohnungsverband

Die Wohnungswirtschaft reagiert mit einer ungewöhnlichen Empfehlung auf die jüngsten Klimakatastrophen. "Es ist nicht fünf vor, sondern zwölf", heißt es in einem Appell.

Auf den ersten Blick wirkt die Website mit dem öffentlichen Brief gehackt. So ungewöhnlich ist der Schritt. Wo sich viele in der Wohnungswirtschaft oder vor allem auch in der Union und FDP aus Furcht vor ihrer Wählerschaft noch äußerst schwertun, brechen jetzt Vertreter der Wohnungswirtschaft mit einem Tabu.

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) spricht sich in einem öffentlichen Schreiben an Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) für Verzicht und Mäßigung aus: für einen weitgehenden Verzicht auf Einfamilienhäuser. Zugunsten des Klimaschutzes.

Wörtlich heißt es da: "Angesichts zunehmender Flächenversiegelung und aus Gründen von Nachhaltigkeit ist die Errichtung von mehrgeschossigen Wohngebäuden sicher am sinnvollsten. Das schließt den Bau von Einfamilienhäusern - da, wo es passt - natürlich nicht aus, aber es sollte vorsichtig damit umgegangen werden." Und weiter: "Insbesondere die Planungsbehörden der Städte und Gemeinden sind aufgefordert, bei der Ausweisung von Wohngebieten aus den jüngsten Überschwemmungen zu lernen." Ein VNW-Sprecher bestätigt die Echtheit des Schreibens. Reden helfe nicht mehr. Man müsse dringend etwas tun! Attraktives Wohnen und geringer Flächenverbrauch könne durchaus kombiniert werden.

Es ist nur ein Verband in Norddeutschland, ja, sicher. Aber der VNW vertritt nach VNW-Angaben fast 400 Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. In den von ihnen verwalteten 686 000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen.

"Wir denken, dass in der Wohnungspolitik mehr geht."

VNW-Direktor Andreas Breitner und der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Marcel Sonntag sprechen sich in dem aufsehenerregenden Schreiben dafür aus, mehr Grünflächen zu schaffen, vorhandene Plätze stärker zu begrünen, die Zahl der Parkplätze zu reduzieren, Häuser höher zu bauen, Baulücken zu schließen und Gebäude zu sanieren. "Wir denken, dass in der Wohnungspolitik mehr geht und Luft nach oben ist", heißt es weiter. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass Breitner SPD-Politiker und von 2012 bis 2014 Innenminister des Landes Schleswig-Holstein war, bevor er 2015 VNW-Verbandsdirektor wurde.

Aber politische Kontakte scheinen ja nicht das Schlechteste zu sein. Zumal angesichts des dringenden Handlungsbedarfs aufgrund der jüngsten Klimakatastrophen auch in Deutschland. Und so fordert Breitner zusammen mit seinem Kollegen Sonntag weiter: weniger Flächenfraß, mehr Nachhaltigkeit und eine ökologische Wende in den Städten und Zentren. "Es ist nicht fünf vor, sondern zwölf, aber wir können immer noch handeln." Eine Lehre aus den jüngsten Überschwemmungen in NRW und Rheinland-Pfalz sei, dass Wohngebiete grundsätzlich nicht in potenziellen Überschwemmungsgebieten von Flüssen errichtet werden sollten. Es gehe darum, das Ruder herumzureißen, so die Direktoren in ihrem dringlichen Appell.

Laut VNW ist es Zufall, dass der Weltklimarat am Montag nach rund sieben Jahren wieder einen Sachstandsbericht vorlegt. In dem soll exakt dargelegt werden, "in welchem Ausmaß der Klimawandel für Extremwetterereignisse, Desaster und ähnliches in der Welt verantwortlich ist". Dass die Menschen mit ihrer Energiegewinnung, Intensivlandwirtschaft, Abholzung, Tierhaltung und Umweltverschmutzung maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, ist unter diesen Wissenschaftlern unbestritten. Aber wie groß dieser Einfluss ist, könnte der Weltklimarat in dem Bericht noch einmal vor Augen führen.

Seit dem letzten Bericht hat es die sechs wärmsten Jahre seit Messbeginn gegeben. Global liegt die Mitteltemperatur bereits etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau, in Deutschland schon 1,6 Grad höher. "In Deutschland entscheiden wir am 26. September bei der Bundestagswahl darüber, welchen Weg wir gehen", sagt der Sprecher.


Es ist soweit: Der Bericht des Weltklimarates!

 gerade eben per Eilmeldung in der Süddeutschen Zeitung:  Erderwärmung  hier

:Weltklimarat: Zwei-Grad-Ziel droht unerreichbar zu werden

Eine umfassende Bestandsaufnahme zur Erderwärmung fällt düster aus: Die Extreme verschärfen sich, Dürren und Starkregen werden häufiger. Dennoch bleibt Gestaltungsspielraum - wenn man jetzt handelt.

Von Benjamin von BrackelChristoph von Eichhorn und Marlene Weiß

Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem sechsten umfassenden Bericht, dass es bald unmöglich sein wird, die Erwärmung der Erde unter zwei Grad, geschweige denn 1,5 Grad zu halten, wenn nicht umgehend begonnen wird, die Treibhausgasemissionen schnell und drastisch zu reduzieren. Die Erde habe sich durch menschliche Aktivitäten vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum vergangenen Jahrzehnt um 1,07 Grad Celsius erwärmt. Im Mittel der kommenden zwei Jahrzehnte dürfte die Erwärmung 1,5 Grad erreichen oder überschreiten, unabhängig davon, wie sich die Emissionen weiter entwickeln. Hitzewellen werden häufiger, Niederschlagsmuster verändern sich. Während viele dieser Veränderungen inzwischen unvermeidbar sind, betonen die Forscherinnen und Forscher aber auch: Die Menschheit hat weiter die Möglichkeit zum Handeln.

Was noch zu retten ist

"Es gibt inzwischen viele Dinge, die wir nicht mehr verhindern können", sagt Dirk Notz von der Universität Hamburg, einer der Leitautoren für das Kapitel zu Eis und Meeresspiegel. "Aber der Bericht zeigt auch, dass es noch viel Gestaltungsspielraum gibt. Wie schnell etwas passiert oder wie schlimm es kommt, liegt in unserer Hand." Würde die Menschheit jetzt auf ehrgeizigen Klimaschutz umschwenken, würde sich das laut Bericht "binnen Jahren" auf die gemessenen CO₂-Konzentrationen auswirken. Innerhalb von 20 Jahren würde sich der Temperaturunterschied im Vergleich zu Szenarien mit hohen Emissionen zeigen. Andere Effekte würden länger brauchen, besonders lang ist die Reaktionszeit der Eisschilde. Doch spätestens zum Ende des Jahrhunderts und darüber hinaus sind die Unterschiede zwischen den Szenarien nach wie vor dramatisch.


Sonntag, 8. August 2021

Das Bundesbündnis Bodenschutz, als bundesweiter Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, mit dem Ziel Landschaft und Boden als Ressource zu erhalten, erstellte einen Forderungskatalog, in dessen Mittelpunkt der Erhalt unserer Feldflur, wertvoller Böden und der Kampf gegen die ungebremste Versiegelung steht. Zur Bundestagswahl formulierte und versandte das Bundesbündnis dazu acht Schlüsselfragen an die zur Wahl stehenden Parteien bzw. Kandidaten.


 Es geht um die Nagelprobe: Welche Partei/en, welche Kandidaten  nehmen den  Bodenschutz ernst?

 

Acht Fragen an die Kandidaten:  Bitte mit ja/nein antworten (unzutreffendes löschen), bzw. max 3 Zeilen, danke!

1) Setzen Sie sich für eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung des Flächenverbrauchs in Deutschland und Europa ein?        Ja/nein

2) Setzen Sie sich für eine Halbierung des Flächenverbrauchs in den nächsten 5 Jahren als verbindliches Zwischenziel auf dem Weg zum Netto-Null Verbrauch in Deutschland ein?  Ja/nein

3) Um den Wettbewerb um neue Gewerbeflächen zu entschärfen, könnte die Verteilung von Gewerbesteuer-Einnahmen reformiert werden. Kommunen, die ohne Verbrauch neuer Gewerbeflächen auskommen, sollten besonders belohnt werden. Unterstützen Sie diesen Ansatz?              Ja/nein

4) Ein ökologischer Ausgleich für Flächenverluste erfolgt derzeit gar nicht bzw. in fragwürdiger Weise. Setzen Sie sich dafür ein, dass für Verluste am Schutzgut Boden ein vollständiger Ausgleich durch Entsiegelung anderer Flächen verlangt wird?    Ja/nein

5) Wenn Sie abwägen zwischen Ausweisung von Feldflur für neue Gewerbeansiedelungen oder Erhalt der lokalen landwirtschaftlichen Flächen, was hat für Sie Priorität?

6) Trotz vorhandenem Innenraumpotential und verbreitetem Leerstand werden täglich neue Baugebiete ausgewiesen. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Ausschöpfung von Leerstandsreserven Voraussetzung für die Ausweisung neuer Baugebiete wird?                            Ja/nein

7) Wenn wir in ungebremstem Tempo weiter Flächen verbrauchen, gibt es in 75 Jahren keine landwirtschaftlichen Flächen mehr. Was löst diese Aussage konkret bei Ihnen aus?

8) Setzen Sie sich für die Streichung des § 13b BauGB (Bauland-Offensive) ein?     Ja/nein

"Richtlinie für Bürgerenergie ungenügend umgesetzt"

 Solarserver.de  hier

Verbände beschweren sich bei EU

Deutschland hat die europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie in Bezug auf die Bürgerenergie nicht richtig umgesetzt, finden mehrere Verbände. Nun reichen sie bei der EU Beschwerde ein.

Insbesondere die von der EU geforderten Erleichterungen für Bürgerenergie seien zu wenig berücksichtigt. Die Bundesregierung habe die Frist bis Ende Juni für die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie verstreichen lassen. Das sei ein Rückschlag für Eigentümer: innen und Mieter:innen, die gemeinsam eine Solaranlage betreiben wollen. Auch für regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, die sich aus eigenen Solar- und Wind-Anlagen versorgen wollen, sei das ein schlechtes Zeichen. Trotz der EU-Richtlinie fehle der rechtliche Rahmen für die Bürgerenergie.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Richtlinie dagegen als vollständig umgesetzt an. Auf diese Einschätzung reagiert ein Bündnis aus Verbänden und Unternehmen nun mit einer Beschwerde bei der EU-Kommission. Sie haben eine Studie und eine rechtliche Stellungnahme eingereicht. Zu der Allianz gehören unter anderen das Bündnis Bürgerenergie (BBEn), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV).

Rechtliche Stellungnahme: Forderung nach „Personenidentität“ bremst Bürgerenergie

Rechtsanwalt Philipp Boos hatte bereits im Juni im Auftrag des Bündnis Bürgerenergie untersucht , ob die in der Richtlinie geforderten Bürgerenergie-Rechte durch das EEG 2021 umgesetzt wurden. Sein Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die gemeinsame Eigenversorgung der individuellen Eigenversorgung bisher nicht gleichgestellt ist. Die im EEG geforderte Personenidentität zwischen Anlagenbetreiber:in und Stromverbraucher:in verhindere, dass gemeinsam handelnde Personen eine Anlage zur Eigenversorgung auch gemeinsam betreiben können.

Zudem habe der Gesetzgeber es versäumt, die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft nach Artikel 22 der Richtlinie zu definieren. Es sei zudem nicht erlaubt, gemeinsam erzeugte Energie untereinander zu teilen (Energy Sharing), um sich aus eigenen Anlagen zu versorgen.

Energiewirtschaftliche Studie bestätigt Defizite

Daneben haben das BBEn und der BUND eine energiewirtschaftliche Studie zur Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie in Auftrag gegeben. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (IZES) bestätigten in ihrer Studie die Umsetzungsdefizite. Zudem formulierten sie Vorschläge, um der der Bürgerenergie durch die richtlinienkonforme Umsetzung mehr Rückenwind zu verschaffen und so die Akzeptanz und den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland zu fördern. Dazu orientierten sie sich auch an Best-Practice-Beispielen aus anderen EU-Staaten.

06.08.2021 | Quelle: SFV | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH


Bündnis Bürgerenergie  hier

Was ist Bürgerenergie?

Bürgerenergie steht für eine regenerative und auf dezentrale Strukturen ausgerichtete Energiewende, die demokratischen, sozialen und ökologischen Werten entspricht.

Teilhabe

An erster Stelle steht die Idee des partizipativen, nachhaltigen Wirtschaftens. Die Akteure der Bürgerenergie gestalten selbstbestimmt und selbstwirksam die dezentrale Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien mit. Dabei lassen sie sich nicht von Banken, Konzernen oder der Politik dominieren.

Orientierung am Gemeinwohl

Bürgerenergie ist ökologisch und ökonomisch erfolgreich. Die wirtschaftlichen Ziele stehen dabei im Dienst gesellschaftlicher Zwecke: Ökologische Verantwortung, Umwelt- und Klimaschutz, Daseinsvorsorge und nachhaltige Entwicklung einer Region. Das schließt Gewinnmaximierung aus.

Aus der Region für die Region

Bürgerenergie ist meist regional verankert, in Gemeinden, Städten, Kreisen oder Regionen. Dies stiftet gemeinsame Identität und schafft Akzeptanz. Nachhaltige Entwicklung und Wertschöpfung in der Region haben entsprechend einen hohen Wert.

Die Akteure

Bürgerenergie ist vielfältig: Privatleute, Landwirte und juristische Personen unterschiedlicher Rechtsformen (wie Vereine, Gesellschaften bürgerlichen Rechts, Energiegenossenschaften, GmbH & Co. KG) – jedoch keine großen Konzerne.

Bürgerenergie aktiviert und demokratisiert Wirtschaft und Gesellschaft

Bürgerenergie ist Ausdruck einer weitgehenden Demokratisierung von Wirtschaftsprozessen und spielt daher die entscheidende Rolle für eine ethisch und sozial verantwortliche Energiewende. Sie ist damit für die Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz.

„Europäische Klimaziele sind ein letzter verzweifelter Versuch, das Klima zu stabilisieren“

 INTERVIEW MIT COSTAS SYNOLAKIS, Experte für Naturkatastrophen

Handelsblatt hier

Nach Ansicht des Geowissenschaftlers Costas Synolakis kippt das Klima derzeit schneller als prognostiziert. Dennoch sieht er Wege aus der Krise.

.....Synolakis, der als Professor der Naturwissenschaften an der University of Southern California lehrt und als einer der weltweit renommiertesten Experten für Naturkatastrophen gilt, zeigt sich aber überrascht, dass diese Wetterphänomene schon jetzt in so massiver Form auftreten.
Solche Extremereignisse habe man erst nach 2040 erwartet, sagte Synolakis.

„Unser Klima kippt“, befürchtet der Wissenschaftler und warnt: „Wir müssen unsere Vorstellungen, was ein Extremereignis ist, drastisch überarbeiten – extrem ist extremer, als wir dachten.“ Covid-19 habe gezeigt, „was passiert, wenn ein natürliches System einen Kipppunkt überschreitet: Dann wird es ziemlich unvorhersehbar und chaotisch“, sagte Synolakis. „Das ist die große Lehre aus der Pandemie.“

Sonntag, 1. August 2021

DIE POLITIKER*INNEN MÜSSEN HANDELN, JETZT!

 


Mit diesem offenen Brief richten wir uns NICHT an die führenden politischen Vertreter*innen Deutschlands. Wir richten uns an die Gesellschaften, an die Bürger*innen, an unsere Mitmenschen und rufen sie dazu auf, sich den Protesten des AugustRiseUp anzuschließen.

Mit diesem offenen Brief erklären Personen des öffentlichen Lebens, aus der Wissenschaft und aus allen weiteren Teilen der Gesellschaft ihre Unterstützung für das August RiseUp ab dem 16. August in Berlin.

Lieber direkt mitzeichnen oder die Mitzeichner*innen ansehen?

An die Gesellschaft, an die Bürger*innen,

Wir, die Unterzeichnenden, rufen dazu auf, sich an den Protesten des August-RiseUp zu beteiligen. Die politischen Entscheider*innen müssen umgehend und zielgerichtet Maßnahmen gegen die sich verschärfende ökologische Krise ergreifen.

Fast 60 °C in Nordamerika. Über 40 °C am Nordpol. Ein Tornado in Tschechien, der Autos wie Federn durch die Luft schleudert. Der Globale Norden ist längst im Griff der Klimaerhitzung. Mitte Juli diesen Jahres wurde der Westen Deutschlands von einer nie dagewesenen Flutkatastrophe heimgesucht. Dieses Extremwetterereignis mit über 200 Todesopfern hat die Klimakrise einmal mehr ganz nah zu uns gebracht. Die Zusammenhänge zwischen zunehmender Schwere und der Häufigkeit von Wetterextremen, bedingt durch die menschengemachte Klimaerhitzung, sind wissenschaftlich unbestritten. Des Weiteren hat die Bundesregierung kürzlich einen Wasserverteilungsplan verfasst. Ein deutliches Indiz dafür, dass wir zukünftig mit Trinkwassermangel in deutschen Regionen rechnen müssen. Die Wälder in Deutschland sind immer noch von einem Massensterben betroffen und der Klimanostand für den Wald hat nach wie vor Bestand.

Auch die Coronapandemie, deren Entstehen, laut Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, zu hoher Wahrscheinlichkeit mit der Erhitzung des Klimas in Verbindung steht, hat Deutschland noch immer fest im Griff. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Pandemien ausbrechen, sind sehr hoch und die Schäden für Gesellschaft und Wirtschaft sind dabei unermesslich. Dies zeigen uns die gerade erlebten und noch längst nicht überwundenen Folgen und Auswirkungen der Coronapandemie.

Jedes zehntel Grad Erhitzung führt zu weiteren irreversiblen Folgen. Jüngst warnte ein Berichtsentwurf des Weltklimarates der Vereinten Nationen zum wiederholten Male vor diesen Folgen. Allein bei einer Erhitzung der Klimas von 1,5°C, gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, werden bis zu 350 Millionen Menschen von Trinkwassermangel betroffen sein. Bei einer Erhitzung auf 2°C, werden bis zu einer halben Milliarde Menschen bis 2050 unter extremer Hitze leiden. Viele Millionen werden Hunger leiden, ihre Heimat und ihre Lebensgrundlagen verlieren, viele Menschen werden sterben, viele Menschen sterben bereits täglich. Auch Extremwetterereignisse mit unkalkulierbaren Schäden wie jetzt in Deutschland werden sich häufen und zu weiterem Leid und Todesopfern führen.

Zu viele Politiker:innen haben den Ernst der Lage noch immer nicht verstanden. Die Staaten der Welt haben sich beim Pariser Klimaabkommen dazu verpflichtet, mit entsprechenden Klimaschutzmaßnahmen die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Sie handeln aber nicht danach. Eher im Gegenteil. Nach jetzigem Stand steuern wir auf eine Erwärmung von mindestens 3 Grad zu. Das 1,5-Grad-Ziel wäre mit allergrößten Anstrengungen, etwa in Deutschland mit einem CO2-Ausstoß bei netto null bis 2025, auch nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent zu erreichen. Schon dieser Wert bedeutet aber dramatische Veränderungen für Klima, Artenvielfalt und Gesundheit der Menschen. Bei 3 Grad Erhitzung drohen uns Hungersnöte, Trinkwassermangel, Pandemien und Verteilungskriege, die zum Zusammenbruch unserer Demokratien führen können.

Wir befinden uns inmitten des sechsten globalen Massensterbens – täglich sterben etwa 150 Arten aus. In Deutschland haben wir in diesem Jahr unseren Anteil der natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann, schon am 5. Mai diesen Jahres verbraucht.

Das Bundesverfassungsgericht hat im Frühjahr dieses Jahres entschieden: Die ausbleibenden Maßnahmen gegen die Folgen von Klimaerhitzung und Ökosystemzerstörung sind ein Verstoß gegen Artikel 20a unseres Grundgesetzes. Dort heißt es: “Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Damit hat das BVerG noch einmal unterstrichen, dass die Regierung dazu verpflichtet ist die Lebensgrundlagen und die Freiheit nicht nur der jetzt lebenden sondern auch zukünftiger Generationen zu schützen.

Die oberste Repräsentant:innen unseres Landes machen sich schuldig, indem Sie dieses Vorsorgeprinzip im Rahmen Ihrer Politik ignorieren. Anstatt anzuerkennen, dass grenzenloses Wirtschaftswachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht möglich ist, subventionieren sie weiterhin klimaschädliche Wirtschaftszweige statt nachhaltiger Alternativen und planen Handelsabkommen wie jenes mit den Mercosur-Staaten, das zur kriminellen Zerstörung des Amazonas in Brasilien beitragen würde.

Da sie ihrer Verantwortung, uns Bürger*innen vor Schaden zu schützen und die Zukunft für kommende Generationen zu sichern, nicht nachkommen, ist es die moralische Pflicht der Bürger*innen dieses Landes, auf Ihre Untätigkeit und offenkundige Pflichtverletzung zu reagieren.

So erkennen wir die lange Tradition des zivilgesellschaftlichen Aufbegehrens, gegen die Untätigkeit politischer Vertreter:innen an und erachten dies als notwendiges Mittel auf die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen, insbesondere derer, die ohnehin von Benachteiligung und Diskriminierung in dieser Gesellschaft betroffen sind, aufmerksam zu machen.

Deshalb erklären wir unsere Unterstützung die Beteiligten der friedlichen Proteste während des „August RiseUp“, das am 16. August 2021 in Berlin beginnt.

Wir möchten Sie bitten diesen offenen Brief zu unterschreiben und dem Anliegen so mehr Gewicht und Sichtbarkeit zu verleihen. Jede Stimme zählt und als Person des öffentlichen Lebens liegt es auch in Ihrer Hand, die Ihnen zugewandten Öffentlichkeit, dafür zu sensibilisieren.  hier

Senden Sie Ihre Antwort gerne an august2021@riseup.net – für eilige Anfragen +49 177 8011774 kontaktieren.