Montag, 19. Juni 2023

Rettungsschwimmer warnen vor Gefahr im Schlosssee

 13.06.2023  hier im Südkurier

Immer wieder kommt es am Schlosssee in Salem zu Unfällen. Erst kürzlich ist etwa ein 28-jähriger Mann beim Baden ums Leben gekommen, wie die Polizei bestätigte. Nur wenige Tage später gab es auf der Liegewiese laut Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) einen medizinischen Notfall bei einem Kind. Doch warum wird der Schlosssee im Sommer regelmäßig zum Unfallort?

Alexander Bernhardt kennt die Antwort auf diese Frage. Er ist stellvertretender Ausbildungsleiter bei der DLRG Bodenseekreis und weiß: 

Baggerseen wie der Schlosssee werden oft nicht als gefährliche Gewässer wahrgenommen,
die Gefahren sind nicht so offensichtlich oder werden unterschätzt
.“

So gebe es beispielsweise steil abfallende Ufer und Sandbänke. Letztere seien deswegen gefährlich, da für Badegäste nicht zu erkennen sei, wo das Wasser tiefer ist. Außerdem komme es in stehenden Gewässern wie dem Schlosssee zu sprunghaften Wechseln zwischen Temperaturschichten, die beim Eintauchen belastend für Körper und Kreislauf sein können. Eine weitere Ursache für Unglücksfälle im Schlosssee: Nach Erfahrungen von Bernhardt werden die Distanzen häufig falsch eingeschätzt und oft unterschätzt.

Kritik an Verhalten von Eltern

„Auch sind sich offensichtlich einige Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht bewusst und tippen auf dem Handy herum oder schlafen sogar, anstatt auf ihre Kinder zu achten“, berichtet der Rettungsschwimmer.

Und manche Eltern würden außerdem das Können ihrer Kinder im Wasser überschätzen. Sie schwämmen mit den Kleinen dann zum Piratenschiff oder zu den Plattformen im Schlosssee – obwohl diese noch unsicher beim Schwimmen seien. „Sollten die Kinder erschöpft sein und sich an die Schultern der Eltern hängen, geraten auch diese immer wieder in eine Notlage“, sagt Alexander Bernhardt.

Für Badegäste sei es wichtig, sich den Gefahren im Schlosssee bewusst zu sein. Und wer dort ins Wasser geht, sollte dringend auch schwimmen können, betont Rettungsschwimmer Bernhardt.

 „Die wichtigste Prävention gegen Badeunfälle
besteht in einer Schwimmausbildung der breiten Bevölkerung.“

Bereits Kinder sollten das Schwimmen lernen. Auch, wenn das mittlerweile kein Standard mehr sei. Denn der Schwimmunterricht in Schulen falle aus Mangel an geeigneten Bädern immer häufiger aus. Und auch in den Jahren der Corona-Pandemie konnten keine Schwimmkurse stattfinden.

Doch auch geübte Schwimmer können beim Baden in gefährliche Situationen kommen.
Falls ein Unfall am Schlosssee passiert, sind Retter der DLRG zur Stelle – zumindest bei schönem Wetter an den Wochenenden und an Feiertagen von 13 bis 19 Uhr. „Die DLRG ist mit zwei bis fünf Rettungsschwimmern vor Ort“, sagt Alexander Bernhardt, ergänzt jedoch auch, dass dieses Jahr nicht alle Wochenenden von der DLRG abgedeckt werden können: „Es stehen nicht genügend Wachgänger zur Verfügung.“

An den Tagen, an denen die Rettungsschwimmer der DLRG nicht am Schlosssee sind, sorgt Betreiber Enno Haß für die Badeaufsicht. Dieser verweist auf Nachfrage an die Gemeindeverwaltung. Von dort heißt es: „Die Aufsicht ist während der Öffnungszeiten, aktuell von 9 bis 21 Uhr, gewährleistet.“

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