Samstag, 23. März 2024

Weltwasserbericht 2024: Gemeinsames Wassermanagement kann Frieden stiften

 

Statista  hier

Kampf ums Wasser nimmt zu - auch in Europa

von Matthias Janson, 21.03.2024

Die Anzahl der Wasserkonflikte nimmt in den meisten Regionen der Welt zu. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Daten des Pacific Institutes. 

Schwerpunkt ist dabei Asien: hier gibt es in absoluten Zahlen die meisten Konflikte. Auffällig ist zudem, dass in den meisten Regionen in den vier Jahren des aktuellen Jahrzehnts bereits annähernd so viele Konflikte registriert worden sind wie in den 10 Jahren der vorangegangenen zwei Jahrzehnte. Zudem fällt auf, dass die Konflikte in Europa in diesem Jahrzehnt bereits deutlich über dem Niveau der vorangegangenen zwei Jahrzehnte übersteigt.

Das schnelle, globale Bevölkerungswachstum führt zu immer größerer Wasserknappheit. In der Folge steigen die Konflikte um diese lebenswichtige Ressource. Betroffen sind vor allem ärmere Gebiete, die zusätzlich durch die Folgen des Klimawandels vermehrt mit Dürren und Trockenzeiten zu kämpfen haben.

Die Quelle unterscheidet folgende verschiedene Konfliktarten:

- Casualty: Verlust von Wasserressourcen oder Wassersystemen durch Konflikte; Wasserressourcen oder Wassersysteme werden beabsichtigt oder beiläufig Ziele von Gewalt.

- Weapon: Wasser als eine Waffe in einem Konflikt.; Wasserressourcen oder Wassersysteme werden als Instrument oder Waffe in einem gewaltsamen Konflikt benutzt.

- Trigger: Wasser als Auslöser oder Ursache eines Konfliktes; Konflikte über die Kontrolle von Wasser; der ökonomische oder physische Zugang zu Wasser oder auch Wasserknappheit lösen Gewalt aus.

Weitere Statistiken zum Thema Wasserknappheit und Wasser allgemein finden Sie im Statista-Report zur Ressource Wasser.


ZDF hier  von Katharina Schuster   22.03.202 - Am Besten gleich über den Link lesen!


Weltwasserbericht 2024: Warum Wasserknappheit Frieden bedrohen kann

"Mit dem zunehmenden Wasserstress steigt auch das Risiko eines lokalen oder regionalen Konflikts", sagt die Unesco-Generaldirektorin. Der UN-Weltwasserbericht 2024 im Überblick:

"Wenn Wasser ein Menschenrecht ist, warum lebt dann jeder vierte Mensch ohne sauberes Trinkwasser?", fragt die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur in ihrem neuen Weltwasserbericht.

Nach Ansicht der UN-Kulturorganisation kann die zunehmende Wasserknappheit auf der ganzen Welt Konflikte anfachen.

Wenn wir den Frieden bewahren wollen,
 müssen wir nicht nur schnell handeln, um die Wasserressourcen zu schützen,
sondern auch, um die regionale und globale Zusammenarbeit in diesem Bereich zu stärken.

Audrey Azoulay, Generaldirektorin der Unesco


FRankfurter Rundschau hier  22.03.2024

Unesco: Wasserknappheit kann Frieden weltweit bedrohen

Verschmutztes Trinkwasser, Dürren, kein Zugang zu Sanitäreinrichtungen: Der neue Wasserbericht der Vereinten Nationen wirft einen düsteren Blick auf die Lage - hat aber auch eine Lösung parat.

Die zunehmende Wasserknappheit kann nach Ansicht der UN-Kulturorganisation Unesco Konflikte auf der ganzen Welt anfachen. „Wenn wir den Frieden bewahren wollen, müssen wir nicht nur schnell handeln, um die Wasserressourcen zu schützen, sondern auch, um die regionale und globale Zusammenarbeit in diesem Bereich zu stärken“, sagte Generaldirektorin Audrey Azoulay anlässlich der Veröffentlichung des jährlichen Unesco-Wasserberichts.

Demnach leidet etwa die Hälfte der Weltbevölkerung zumindest saisonal unter schwerer Wasserknappheit. Und mehr als zwei Milliarden Menschen leben ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 3,5 Milliarden Menschen können keine sauberen Sanitäreinrichtungen benutzen.

Das Bevölkerungswachstum ist den Angaben zufolge nicht unbedingt verantwortlich für den steigenden Wasserbedarf: Dort, wo die Bevölkerung am schnellsten wächst, ist der Pro-Kopf-Verbrauch oft am niedrigsten.

Wassermangel aufgrund des Klimawandels

Der Süßwasserverbrauch steigt den Angaben zufolge jährlich um ein Prozent. Grund seien etwa veränderte Ernährungsgewohnheiten, hieß es. Auch wenn knapp 70 Prozent des aus dem natürlichen Kreislauf entnommenen Süßwassers auf die Landwirtschaft entfielen, seien für den steigenden Bedarf vor allem die Industrie (20 Prozent) und die Haushalte (10 Prozent) verantwortlich.

Wasserknappheit hat demnach auch negative Folgen für Frauen und Mädchen, insbesondere für deren Schulbildung. In vielen ländlichen Gebieten sind sie den Angaben zufolge für die immer zeitraubendere Wasserversorgung zuständig - worunter die Ausbildung leide. Der Wassermangel gilt dem Bericht zufolge auch als ein Treiber für Migration. „Fast immer sind es die ärmsten und schwächsten Gruppen, deren Wohlergehen und Existenz am stärksten gefährdet sind“, heißt es in dem Unesco-Bericht.

Internationale Lösungen werden gefordert

Zu einem signifikanten „Auslöser“ für Konflikte hat sich Wasser zwar anders als erwartet bislang nicht entwickelt. Die Wasserknappheit hat nach Ansicht der Unesco aber das Potenzial, Streitigkeiten anzufachen. Zum Beispiel habe die Entwässerung von Sumpfgebieten in der Sahelzone in Afrika - etwa durch schlecht durchdachte Wassererschließungsprojekte - zu Streitigkeiten über den Zugang zu Wasser und fruchtbarem Land geführt.

„Unter anderem aufgrund des Klimawandels gibt es immer mehr Wasserknappheit, mehr Konflikte und es besteht die Gefahr, dass es in Zukunft auch Kriege um Wasser geben könnte“, sagte Sonja Köppel, Leiterin des Sekretariats der UN-Wasserkonvention, der Deutschen Presse-Agentur. Daher empfiehlt die Unesco mehr Zusammenarbeit bei der grenzüberschreitenden Wassernutzung, etwa durch die Wasserkonvention.

Die Konvention von 1992 hilft Nachbarländern, die sich Wasserressourcen teilen, ein gemeinsames Management zu schaffen, um Konflikte zu verhindern. Sie erlebt nach Angaben von Köppel gerade einen Boom: Die Vereinbarung war ursprünglich für die Region Europa und Zentralasien konzipiert, ist seit 2016 aber für Länder in aller Welt offen. Seitdem stieg die Zahl der Mitglieder von 41 auf 52. Weitere rund 30 Länder seien im Prozess des Beitritts.

Unesco: Wasserknappheit kann Frieden weltweit bedrohen

„Wir konnten in den vergangenen Jahren und sogar Jahrhunderten sehen, dass gemeinsames Wassermanagement eine Rolle als Friedensstifter gespielt hat“, sagte sie. Die Anrainer des Flusses Sava - Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien - hätten kurz nach dem Ende des Krieges 2002 ein internationales Abkommen geschlossen, in dem es unter anderem um den Austausch von Daten etwa über Wasserqualität und -quantität ging. Dies habe zu weiterer Kooperation geführt, etwa im Bereich Umweltschutz. „Das hat zur Befriedung der Region beigetragen.“

Engere Kooperation habe es über das Management gemeinsamer Flüsse auch zwischen der Ukraine und Moldau und zwischen Kasachstan und Kirgistan gegeben. Auch zwischen Belarus (Weißrussland) und Litauen sei es über eine anfängliche technische Kooperation gelungen, ein Protokoll über das Management eines gemeinsamen Flusses zu erarbeiten. Diese Vereinbarung liege aber wegen der politischen Lage angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zurzeit auf Eis.

153 Länder weltweit teilen sich mit Nachbarländern Wasserressourcen. Nur 24 hätten bislang bei sämtlichen Flüssen und Seen auf ihrem Gebiet Vereinbarungen mit Nachbarländern getroffen. Dazu gehöre Deutschland. dpa


Zeit hier  21. März 2024, Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, ale, dpa

Gesamtwasserspeicher: Deutschland fehlen Milliarden Tonnen Wasser

In den vergangenen fünf Jahren erlebte Deutschland mehrere Dürren. 2023 gab es zwar wieder mehr Niederschlag, dennoch verzeichnen Forscher noch immer einen Wassermangel.

Der sogenannte Gesamtwasserspeicher in Deutschland fasst trotz einer Erholung im vergangenen Jahr weniger Wasser als im langjährigen Vergleich. Das berichtet das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Zwar sei das vergangene Jahr mit hohen Niederschlägen das sechstnasseste seit Aufzeichnungsbeginn gewesen. Die mehreren drastischen Dürren, die Deutschland in den fünf Jahren zuvor erlebt hatte, konnten dadurch demnach aber nicht wettgemacht werden.

Demnach fehlen rund zehn Milliarden Tonnen Wasser im Gesamtwasserspeicher, zu dem Gletscher, Schnee, die Bodenfeuchte, das Grundwasser sowie Oberflächenwasser in Seen, Flüssen und Reservoirs gehören. Die fehlende Wassermenge entspricht mehr als einem Fünftel der Wassermenge im Bodensee, der 48 Milliarden Tonnen Wasser fasst.

Gesamtwasserspeicher verliert 760 Millionen Tonnen Wasser im Jahr

Die Angaben basieren auf Daten der Grace-Satellitenmissionen. Auf Grundlage von Schwerefeldmessungen ermöglichen sie Einblicke in die Wasserbilanz der Erde. Bei den Missionen wird die Bahn der Satelliten beobachtet, wodurch Rückschlüsse auf Veränderungen der Erdanziehungskraft gezogen werden können. Diese verändert sich durch Änderungen der Masse, wodurch die Schwerefeldmissionen Daten zum Wasser auf und unter der Erdoberfläche liefern können.

Genau sind die Satellitendaten jedoch nicht: Laut einer GFZ-Studie vom April 2023 verlor Deutschland demnach in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt 760 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr. Weil die Studie mehrere Auswertemethoden nutzte, kam sie auf einen deutlich niedrigeren Wasserverlust als Auswertungen von Satellitendaten, die einen dreimal höheren Verlust ermittelt hatten.

Grönland und Antarktis verlieren jährlich 382 Milliarden Tonnen Wasser

Der Verlust von 760 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr, den das GFZ 2023 für Deutschland ermittelt hatte, entspricht einer Menge von 15,2 Kubikkilometern Wasser in 20 Jahren. Der jährliche Wasserverbrauch von Industrie, Privathaushalten und der Landwirtschaft liege bei rund 20 Kubikkilometern pro Jahr.

Für Europa ist seit Beginn der Messungen im Jahr 2002 kein Rückgang des Gesamtwasserspeichers um rund 100 Milliarden Tonnen feststellbar. Ein eindeutiger Trend lässt sich daraus dem GFT zufolge aber noch nicht ableiten. Dramatisch ist die Lage der GFZ-Bilanz zufolge bei den großen Inlandseisschilden über Grönland und der Antarktis: "Jahr für Jahr verliert Grönland rund 224 Milliarden Tonnen an Eis und die Antarktis, die ungleich kälter ist, 138 Milliarden Tonnen", heißt es im Bericht des Forschungszentrums. 

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